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Wie alles begann

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Immer wieder habe ich mich gefragt, was meine Berufung ist, was Gott mit mir vorhat. Diese Frage trieb mich um – zuerst als Teenager, aber auch später noch als jung verheiratete Studentin, DaF-Lehrerin und Mama zweier Kinder unter zwei. Was kann ich und mit welchen “Pfunden soll ich wuchern”? Irgendwann schob ich diese Frage beiseite, ein bisschen abgeklärt, ein bisschen aus Resignation.

Und jetzt – entdecke ich mehr und mehr, was das sein könnte…

Schon im Kindergarten habe ich am allerliebsten gemalt. Ich erinnere mich noch gut daran, wie eine Erzieherin versuchte, mich aus der “Mal-Ecke” zu locken und dazu zu überreden, “doch mal etwas anderes zu machen”. Darauf hatte ich aber überhaupt keine Lust. Am glücklichsten war ich da, wo ich Papier, Stifte, Schere und Kleber hatte. Etwas anderes brauchte ich nicht, außer vielleicht noch ein paar Bilderücher. Manchmal saß ich stundenlang an meinem kleinen Tisch und malte und merkte gar nicht, wie die Zeit verging.

Als ich in die Schule kam, entdeckte ich zwei neue Leidenschaften: Lesen und Schreiben. Ich las, wo ich ging und stand. Und ich schrieb Geschichten, in schmale blaue Hefte, ungefähr ab der dritten Klasse. Geschichten von Mädchen und Pferden, hauptsächlich.

Kurz vor meinem 16. Geburtstag zogen wir von unserem kleinen hessischen Dorf nach Berlin, und ich war überglücklich zu erfahren, dass es an meiner neuen Schule die Möglichkeit gab, Kunst als Leistungsfach zu wählen! Und was ich da für Leute kennenlernte: Sie alle beherrschten entweder ein Instrument, lasen Dostojewski, sangen im Chor oder konnten zeichnen (oder alles auf einmal). Ich kam mir auf einmal ziemlich unfähig und ahnungslos vor, und das war ich auch.

Der Kunst-LK entpuppte sich als die absolut richtige Entscheidung. Meine Eltern kauften mir meinen ersten Aquarellkasten (mit dem ich allerdings lange nichts anfangen konnte), ich lernte viel über Kunstgeschichte, Komposition und Farbenlehre, und wir reisten nach Italien!

Jede von uns bekam die Aufgabe, während der Reise ein kleines Tagebuch zu führen und dieses mit Eindrücken und Skizzen zu füllen. Das machte mir unheimlich viel Spaß und legte den Grundstein für alle folgenden Reise-Skizzenbücher und mein Interesse am Art Journaling.

Bis zum Abitur malte und zeichnete ich beinahe täglich und machte Fortschritte. Einige andere im Kunst-LK bereiteten sich auf ein künstlerisches Studium vor, indem sie gezielt zeichneten und Mappen anlegten. Der Gedanke, es ihnen gleich zu tun, kam mir nicht wirklich. Ich hielt mich für nicht gut genug, und es stand fest, dass ich Lehrerin werden würde. Und nicht Kunst-Lehrerin…

Während meiner Zeit in Kenia zeichnete ich kaum – nur, wenn ich Bilder für den Unterricht oder eine Andacht brauchte. Stattdessen machte ich Fotos mit einer kleinen Digitalkamera und hielt die vielen Eindrücke auf diese Weise fest.

Erst als ich wieder zurück in Deutschland war, begann ich, auf Basis der Fotos und meiner Erinnerung, Zeichnungen anzufertigen. Nach wie vor zeichnete ich hauptsächlich mit dem Bleistift.

In den folgenden Jahren griff ich nur sehr sporadisch zu Skizzenbuch und Bleistift. Manchmal zeichnete ich monatelang gar nicht, dann füllte ich in wenigen Tagen Seite um Seite.

Das Wintersemester 2010/11 verbrachte ich in Budapest. Während dieser Zeit führte ich meinen allerersten Blog, der nur von einigen wenigen, hauptsächlich Freunde und Familie, gelesen wurde. Das Schreiben machte mir Spaß und ich fing an, kleine Geschichten aufzuschreiben – und sie zu illustrieren. Zurück in Berlin verschenkte ich diese Himmelblauen Geschichten aus Budapest an gute Freundinnen.

Und dann passierte lange nichts. Ich beendete mein Studium, begann zu arbeiten, und wurde Mutter. In allen Veränderungen blieb das Schreiben eine Konstante: Mein Tagebuch wurde zu einem Zufluchtsort, und ich startete mit GottNaheGlücklich meinen zweiten Blog.

Irgendwann, ich kann gar nicht mehr genau sagen, wie und warum, erinnerte ich mich an meine alte Leidenschaft. Unser Sohn war nicht mehr ganz klein, ich hatte wieder Momente allein für mich – und ich entdeckte den Blog von Alisa Burke. Ihre Bilder und Texte inspirierten mich so sehr und ich wollte auch ein bisschen so leben und sein wie sie: eine Künstlerin.

Ich buchte meinen ersten Online-Kurs bei ihr: You, me and the sea. Großartig! Endlich lernte ich, mit meinem Aquarellkasten umzugehen. Ich erfuhr, was “doodling” ist und dass man auch mit Finelinern zeichnen kann und wie entspannend das ist. Dieser Kurs war ein Wendepunkt, wenn ich das auch damals, vor etwa drei Jahren, noch nicht wusste.

Seitdem ist viel passiert: Ich habe noch weitere von Alisas Online-Kursen gebucht und 2017 zum ersten Mal bei Wanderlust mitgemacht, wo ich erst so richtig mit Mixed Media in Berührung kam. Mein Blog ist langsam gewachsen, ich habe einen Instagram-Account eröffnet – und schließlich einen lange verschütteten, nie wirklich ausgesprochenen Traum freigelegt: Ich möchte Malen und Schreiben zu meinem Beruf machen.

Es ist so interessant, zurückzuschauen und die Wege zu sehen, die Gott mit uns geht. Was er in uns hineinlegt und wie diese Dinge zum Vorschein kommen – sehr früh oder vielleicht auch erst spät. Manchmal erkennen wir direkt, wohin die Reise gehen soll. Oft gehen wir aber auch Umwege oder im Kreis; so mancher Weg ist steinig und schwer und wir wissen gar nicht, wohin er uns führt.

Was ich aber weiß ist, dass Gott alles gebrauchen kann: jedes Hoch und jedes Tief, scheinbare Umwege, krumme Linien. Wenn wir vertrauensvoll mit ihm gehen, durch alle Zweifel und Schwierigkeiten hindurch, dann führt uns jeder Weg ans Ziel. In seiner Nähe sein ist Weg und Ziel zugleich.

Und wenn du dich fragst: Was ist meine Berufung? Was hat Gott mit mir vor? Was hat er in mich hineingelegt? Dann überleg doch einfach mal, was du als Kind besonders gern gemacht hast. Was hat dir Spaß gemacht, worüber hast du alles andere vergessen, was konntest du richtig gut? Das könnte dich auf die Spur bringen und dir zeigen, was Gott sich dabei gedacht hat, als er dich schuf.

5 Kommentare

  • Angela

    Liebe Rebekka,
    ich glaube, Gott hat uns alle geschaffen um Gemeinschaft mit ihm zu haben. Wozu es keinerlei besondere Begabung braucht.
    Gott sei Dank hat er mich gerade daran erinnert bevor ich in Selbstmitleid versinken konnte, weil ich keine so klare deutlich ausgeprägte Begabung habe. Habe gern gelesen und Indianer oder Detektiv gespielt früher…??? Heute mit vier Kindern brauche ich die Geduld eines Indianers und detektivische Fähigkeiten um Dinge im Chaos wiederzufinden. Und ich kann gut Blogs lesen. 😉
    Deine “Entwicklungsgeschichte” finde ich spannend zu lesen, aber die abschließende Frage kann meiner Meinung nach auch in die falsche Richtung gehen (ich bin was ich tue)…
    Ansonsten genieße ich gerne die Ergebnisse deiner Begabungen hier im Blog!
    Liebe Grüße, Angela

    • rebekkasloveletter

      Liebe Angela, du hast natürlich Recht, dass wir alle zur Gemeinschaft mit Gott berufen sind! Darüber hinaus hat er uns alle mit individuellen Begabungen, Träumen und auch Berufungen ausgestattet. Es stimmt, manche davon sind offensichtlicher als andere – aber deshalb ja nicht wertvoller! Gott hat dir vier Kinder geschenkt und anvertraut – was für eine wunderbare Berufung! Dafür begabt dich Gott und rüstet dich aus; und ich bin mir sicher, dass es in deinem Leben noch andere Begabungen, Träume und Berufungen gibt – die nicht unbedingt immer im Tun bestehen, sondern oft auch im Sein und im für andere da sein. Wenn man eine Sehnsucht danach hat, herauszufinden, welche Berufung oder Träume Gott in einen hineingelegt hat, kann es sinnvoll sein, mal in die Vergangenheit und Kindheit zu schauen. Vielleicht habe ich das jetzt etwas klarer ausgedrückt. Danke für dein Feedback und ganz liebe Grüße!

    • rebekkasloveletter

      Liebe Friederike, danke für deine lieben Worte! Und ich freue ich, dass du es geschafft hast, den Blog zu abonnieren – ehrlich gesagt, habe ich gar keine Ahnung, wie das funktioniert… 🙂 Ich wünsche dir und deiner Familie ein tolles Wochenende!

  • Friederike

    Liebe Rebekka,

    sehr schick, dein neuer Blog! Auch wenn ich noch nicht rausgefunden hab, wie ich die Artikel hier für meinen Feed-Reader abonnieren kann (das war früher irgendwie einfacher, geht mir auch bei anderen Blogs tlw. so…)

    Danke, dass du nochmal deine künstlerische Geschichte hier geteilt hast. Selbst deine “frühen” Zeichnungen sehen ja schon ziemlich gut aus, finde ich. Besonders gefallen mir auch die Buntstift-Seiten aus Budapest. Das guckt man sich richtig gern an. Wenn du mal ein Kinderbuch illustrieren würdest… Das würde ich mir bestimmt kaufen. 🙂

    Viele liebe Grüße und ganz viel Spaß an deinem neuen Platz hier im Internet!

    Friederike

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