Glaube,  Mut am Montag

Mut am Montag #5

Seit mein Blog auf diese Seite umgezogen ist, habe ich deutlich mehr kreativen Content gepostet und mich dafür mit persönlichen Texten zurückgehalten. Dies war keine bewusste Entscheidung von mir; zum Teil hat sich das einfach so ergeben, weil ich euch immer wieder neue Produkte vorgestellt oder jetzt auch mit dem kleinen Aquarellkurs begonnen habe.

Aber als ich so darüber nachdachte, realisierte ich, dass ich auf dieser Seite meine Selbstständigkeit und mein Shop ziemlich im Mittelpunkt stehen und ich (offensichtlich) Sorge habe, welche Auswirkungen es auf mein Business haben könnte, wenn ich hier zu persönlich werde.

Das gab mir zu denken. Denn eigentlich möchte ich ja offen und ehrlich sein, authentisch wie man so schön sagt, und gerade nicht eine hochglanzpolierte, allzeit kreative, von aller Schwermut befreite Version meiner selbst präsentieren. Und soweit ich mich erinnere, war das auch ein Punkt, der bei GottNaheGlücklich von euch Leserinnen geschätzt wurde.

In letzter Zeit habe ich mich manchmal wie eine Heuchlerin gefühlt, zumindest ein bisschen. Ich weiß, alle zeigen im Netz (und auch im echten Leben) nur Ausschnitte und sind damit natürlich keine Lügner. Es ist alles immer nur ein Ausschnitt eines viel größeren Bildes und jede entscheidet ein Stückweit selbst, was sie zeigt, wann und wie viel. Und doch habe ich gemerkt, dass es manchmal knirschte. Es fühlte sich nicht richtig an.

Mein Valentinstagpost zum Beispiel. Das klang ja alles ganz schön. Ich hatte so viele Ideen für euch parat. Aber wie sah dieser Tag in Wirklichkeit aus, bei uns?

Im Gegensatz zu meinem Mann, der mir Blumen gekauft und ein richtig schönes Frühstück vorbereitet hatte (obwohl er das Haus jeden Morgen vor 6 Uhr verlässt!), hatte ich kein Geschenk für ihn. Ja, einen Brief habe ich ihm geschrieben (sogar auf meinem eigenen Briefpapier…), aber so richtig nett war dieser Brief nicht, fürchte ich… Anstatt meine Freundinnen mit einem Brief oder einem kleinen Geschenk zu bedenken, schickte ich ihnen eine kurze WhatsApp-Nachricht. Ich hätte durchaus die Zeit gehabt, ihnen einen echten Brief zu schicken, war aber letztlich zu faul. Und für meine Kinder (und den Mann) buk ich am Nachmittag zwar Waffeln, aber während ich das tat, war ich stinksauer und schrie meinen Sohn an, der im Flur saß und sich Jacke und Schuhe nicht ausziehen wollte. Die Waffeln zerbröselten und schmeckten nach Sand, ein ziemlicher Reinfall… Das ist die Wahrheit. Und die wollte ich euch nicht so gern zeigen.

Und ich habe noch ein paar andere Geständnisse zu machen:

Wenn ich PMS habe, arbeite ich manchmal tagelang kaum. Weil ich mich nicht aufraffen kann und keine Lust auf gar nichts habe. Nicht mal auf Serien, aber die gucke ich dann trotzdem stundenlang, während die Kinder in der Kita sind.

Überhaupt, Serien. Ich streame viel zu viel, auch während ich arbeite, und ich kriege meinen Konsum nicht in den Griff.

Seit Monaten möchte ich eigentlich abnehmen, aber ich schaffe es keinen einzigen Tag, meine Vorsätze durchzuhalten. Nichts funktioniert.

Oft arbeite ich lieber als mit meinen Kindern zu spielen. Während ich diesen Text hier schreibe, spielen mein Mann und die Kinder zusammen Dino-Monopoly… und ich fühle mich wie eine Rabenmutter, weil ich mich so oft zurückziehe und mein eigenes Ding mache, anstatt mich in den Familientrubel zu stürzen.

Ich habe einen Blog-Post zum 15-jährigen Beziehungsjubiläum mit meinem Mann geschrieben. Als er ihn zur Probe las, gab es Streit und ich habe den ganzen Text gelöscht. Er hatte mit vielem Recht, was er daran kritisierte.

So sehr ich mir Erfolg wünsche (und befürchte, niemals so weit zu kommen) – insgeheim fürchte ich mich noch mehr davor, erfolgreich zu werden, und sabotiere mich indirekt selbst.

Viele Aufgaben erledige ich auf den letzten Drücker (nur Auftragsarbeiten nicht, da bin ich normalerweise ziemlich schnell) und schiebe Projekte, die ich eigentlich toll finde, immer wieder auf.

Wenn Frauen in meinem Umfeld schwanger werden, versetzt mir das immer noch einen Stich, obwohl mir immer mehr bewusst wird, dass es gut ist, so wie es ist. Es ist der Traum von der Großfamilie, den ich nicht loslassen kann – auch wenn ich ganz offensichtlich besser in meiner Arbeit bin als als Mutter.

Bis ich es geschafft habe, den Faden in die Punchneedle reinzufriemeln und das erste Stück zu punchen, hat es ewig gedauert und ich war kurz vorm Aufgeben. Und es sieht immer noch nicht so schön gleichmäßig aus, wie ich es gern hätte.

Mein Gebetsleben verbessert sich nicht, auch wenn ich mir das Jahr für Jahr vornehme.

Ich habe Angst, auf die Buchmesse zu fahren und mit Verlagen zu reden und mein Portfolio vorzuzeigen. Und genau genommen habe ich gar kein Portfolio, weil ich es immer vor mir herschiebe, eins zusammenzustellen.

So, jetzt wisst ihr Bescheid.

Was das alles mit „Mut am Montag“ zu tun hat?

Es hat mich Mut gekostet, das alles aufzuschreiben, Schwarz auf Weiß zu sehen und euch zu zeigen.

Aber jetzt fühle ich mich befreit. „Die Wahrheit wird euch frei machen“, hat Jesus mal gesagt (Johannes 8), und er hat ja so Recht!

Es ist eine schwere Bürde, die Wahrheit zu verstecken und sie davon abzuhalten, ans Licht zu kommen.

Was für eine Last, sich selbst nicht zeigen zu können, wie man ist.

Geheimnisse zu wahren.

Dunkle Flecken zu übertünchen.

Aufzupassen, dass der Bildausschnitt nichts zeigt, was nicht vorzeigbar scheint.

Stark wirken, in jeder Situation.

Eine Maske ist letztlich auch ein Gefängnis.

Immer in der Angst zu leben, entdeckt zu werden…

Aber „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus“ (1. Johannes 4).

Wenn ich weiß, dass ich geliebt bin, dann kann ich mich auch geben, wie ich bin. In Stärke und Schwäche. Im Schönen und Hässlichen. Ich muss keine Maske tragen und mich als eine ausgeben, die ich nur in meinen kühnsten Träumen bin. Wenn ich in der Liebe lebe, muss ich keine Angst mehr haben vor Ablehnung, Kritik oder Verurteilung. Ich kann zu dem stehen, was ich nicht schaffe, wo ich versage, was ich schon wieder vermasselt hab.

Und ich weiß, dass ich geliebt bin.

Für unseren himmlischen Vater bin ich keine Enttäuschung. Er liebt mich, was auch immer ich tue oder nicht tue oder hinkriege oder nicht…

Und auch hier auf dem Blog fühle ich mich geliebt, von euch! Ich habe von euch bisher nichts anderes als Unterstützung und Verständnis und Ermutigung bekommen – da kann ich es wagen, offen und ehrlich zu dem zu stehen, was ich bin.

Dafür bin ich euch allen sehr dankbar!

Vielleicht macht euch das auch ein bisschen Mut, euch von Wahrheit und Liebe freisetzen zu lassen – wer weiß, welche wunderschönen Blüten das treibt? Gott kann aus allem etwas Gutes entstehen lassen; erst recht, wenn wir es ihm hinlegen und ihn darum bitten.

6 Kommentare

  • Anne

    Bei dem Blogpost muss ich innerlich aufatmen! Aaah, ich kenne das. Und es tut gut, das mal zu hören und innerlich selbst zuzugeben und die Liebe anzunehmen. Danke! Geh in deinem Tempo in dem weiter, was Gott für dich vorbereitet hat.
    LG, Anne

  • Judith

    Liebe Rebekka,
    danke für deine offenen und ehrlichen Worte! Ich schreibe dir, weil genau solche Zeilen einen ermutigen!!! Und nicht die Hochglanzbilder und super schönen formulierten Worte usw.
    Es ermutigt einen, zu sehen, dass andere auch “schlechte” Zeiten immer wieder haben….. das, dass NORMAL ist! Herzlichen Dank für deine persönlichen Worte! Die lese ich am liebsten!!!
    Und PMS ist so gemein! Ich kenne das auch nur zu gut, da ist mit mir überhaupt nichts anzufangen mehrere Tage! Und ich bin so übellaunig und schnell reizbar… und fahre viel zu oft aus der Haut und brülle rum!

    Sei gesegnet bei allem was du tust! Du bist genau richtig, so wie du bist!!!

    Liebe Grüße,
    Judith

    • rebekkasloveletter

      Liebe Judith, vielen Dank für deine Worte – es ist echt interessant, dass ich gerade zu diesen Posts, die mich Überwindung kosten und bei denen ich nicht so gut wegkomme, die meisten Kommentare bekomme. Das ermutigt mich sehr und ich fühle mich dann gleich ein bisschen besser 🙂 Ja, die PMS-Zeit ist immer sehr herausfordernd. Ich versuche mittlerweile, meine Aktivitäten und Pläne so weit möglich an meinen Zyklus anzupassen und mehr Verständnis für mich selber zu haben, in diesen Tagen nicht so viel von mir zu erwarten. Das klappt unterschiedlich gut. Vor allem aber die Akzeptanz hilft mir sehr.
      Jesus segne dich auch, meine Liebe!

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