Aquarell,  Tutorials

Kleiner Aquarellkurs (Teil 4)

Weiter geht es mit unserem kleinen Aquarellkurs! Es hat mich gefreut, von einigen zu hören, dass sie dabei sind oder später einsteigen werden – das ist ja auch ohne Weiteres möglich. Teilt gern eure Ergebnisse unter dem Hashtag #rebekkaskleineraquarellkurs, ich bin so gespannt, zu sehen, was bei euch Schönes entsteht!

Es gibt so viele, ja unzählige Motive und Gestaltungsmöglichkeiten mit Aquarellfarben, und ich habe diese Woche länger grübeln müssen, was ich euch diesmal zeige. Dann habe ich überlegt, was ich mit meinen Aquarellfarben am liebsten mache, wie ich sie nutze – und nur das kann und will ich hier im Aquarellkurs auch demonstrieren.

So kam ich auf Aquarell Doodles. Auf Deutsch würde man wahrscheinlich “Kritzeleien” sagen, aber dieses Wort trifft eigentlich nicht so gut, was doodeln aussagt. Ich verstehe darunter weniger flüchtiges Gekritzel, als eher ein bewusstes, aber reduziertes Zeichnen von einfachen Formen und Mustern: Striche, Punkte, Kreise, Linien, Sternchen… Das geht mit Farbe und Pinsel genauso gut wie mit dem Bleistift oder Fineliner, und es gibt kaum etwas Entspannenderes für mich.

Das Schöne am Doodeln ist auch: Jede und jeder kann es.

Auch für diese Woche habe ich mir zwei Projekte überlegt, die zwei Gemeinsamkeiten haben: Wir arbeiten im Kreis, und wir doodeln!

Viel Spaß dabei!

Projekt 1: Geometrische Berge mit Nachthimmel

Bei den geometrischen Bergen mit Nachthimmel wird gedoodelt und außerdem mit Farbverläufen gespielt – eine Kombination, die für mich den besonderen Reiz dieses kleinen, kreisrunden Bildes ausmacht.

1) Vorzeichnen

Zur Vorbereitung zeichnen wir einen Kreis auf ein Blatt Aquarellpapier (da wir relativ nass arbeiten, solltest du mindestens 300g starkes Papier verwenden). Du kannst einen Zirkel oder eine Schüssel oder ähnliches als Schablone verwenden. Wichtig ist, mit dem Bleistift nur leicht aufzudrücken, sodass die Linien sich später rückstandslos wegradieren lassen.

In das untere Drittel des Kreises zeichnen wir dann die bergige Horizontlinie – am Besten etwas unregelmäßig, damit die Berge möglichst echt und natürlich aussehen.

Die Horizontlinie sollte den Kreis möglichst dritteln und nicht halbieren – für die Komposition eines Bildes gibt es die Drittel-Regel, die besagt, dass es für unser Auge besonders harmonisch und ausgewogen wirkt, wenn ein Bild in neun Teile (also drei Drittel) geteilt und die Bildelemente entsprechend dieser Drittel angeordnet werden.

2) Der Nachthimmel

Jetzt können wir beginnen, den Nachthimmel zu malen – nass in nass, sodass es schöne Farbverläufe gibt. Ich habe mir die Farben, die ich verwenden wollte, vorher als kleine Kästchen in mein Skizzenbuch gemalt, um zu sehen, wie sie zusammen wirken. Bei der Kombination Blau, Violett, Anthrazit, Schwarz und Gold sollte man aber keine schlimmen Überraschungen erleben 😉

Wir beginnen wieder damit, das Papier mit (sauberem, klarem) Wasser leicht anzufeuchten. Es sollten sich keine Pfützen bilden, eine gewisse Unregelmäßigkeit wirkt sich aber positiv auf die späteren Farbverläufe aus. Ich habe kleinere Stellen trocken gelassen – sie bleiben später Weiß – und auch nicht besonders darauf geachtet, die Nachthimmelfläche tatsächlich ordentlich und kreisrund mit Wasser auszumalen. Kleine Unebenheiten und “Fehler” machen am Ende den Reiz eines Bildes aus und lassen es viel lebendiger und dynamischer wirken, als wenn alles “perfekt” und akkurat aussieht.

Jetzt kommt die Farbe ins Spiel: Wenn wir mit dem Pinsel die Aquarellfarbe aufgenommmen haben, und leicht mit der Pinselspitze auf das feuchte Papier tupfen, blutet die Farbe sofort aus und sucht sich ihren Weg. Für besonders schöne Effekte solltest du den Pinsel weniger hin und her streichen und stattdessen eher tupfen. Du kannst an den Rändern beginnen und dich dann in die Mitte vorarbeiten, oder du fängst an einer Seite an – oder du arbeitest kreuz und quer (so wie ich das gemacht habe).

Spiele mit der Farbe: Nimm mal mehr davon, mal wenig, tupfe und streiche, beobachte, wie die einzelnen Töne sich miteinander mischen oder auch nebeneinander stehen bleiben, und widerstehe der Versuchung, mit dem Pinsel alles glattstreichen und zu einem sanften Farbverlauf verwischen zu wollen. Achte auch darauf, einzelne Stellen deutlich heller beziehungsweise ganz Weiß zu belassen

Zwischendurch halte ich mein Papier auch gern mal schräg und schwenke es hin und her, damit die Farbe verläuft und sich wieder neue Effekte ergeben. Wenn du sehr nass gearbeitet hast, musst du hierbei vorsichtig sein, dass die Farbe nicht aus dem Nachthimmel herausläuft und sich Nasen bilden, die du nicht haben möchtest.

Zum Schluss habe ich ein paar Tropfen Wasser (ohne Farbe) auf die noch feuchte Nachthimmel-Fläche getupft. Je mehr Farbverläufe, Muster und Effekte sich ergeben, desto besser, finde ich!

Wenn du mit deinem Nachthimmel zufrieden bist, lässt du ihn gut trocknen – dann kann es mit den geometrischen Bergen weitergehen!

3) Die geometrischen Berge

Die Berge in unserem Bild bestehen aus lauter kleinen und größeren Dreiecken. Diese habe ich mit einem feinen Pinsel (Nummer 1) und Aquarellfarbe in Anthrazit gemalt.

Wenn ich solche Muster doodle (und Dreiecke gehören mit zu meinen liebsten Grundformen), denke ich nicht viel nach – ich male einfach drauf los und lasse meine Hand entscheiden. Das bedeutet, dass ich keine Vorzeichnung mit dem Bleistift mache. Wenn du dich damit sicherer fühlst, kannst du die Dreiecke natürlich vorzeichnen und die Linien später wegradieren.

Meine Tipps für die geometrischen Berge:

  1. Male die Dreiecke in unterschiedlichen Größen und Winkelverhältnissen. Es geht hier nicht um Regelmäßigkeit und Ordnung – Berge sind in der Natur ja auch nicht glatt und gleichmäßig geformt. Dies versuchen wir nachzuahmen, indem wir mal kleinere, dann wieder größere Dreiecke malen – gleichseitige, rechtwinklige, gleichschenklige, spitzwinklige – zittrige, ordentliche… die Mischung macht’s!
  2. Male so viele Dreiecke wie möglich hintereinander weg, ohne den Pinsel neu in Farbe zu tauchen. So bilden sich ganz natürlich Farbverläufe von dunkel (mit viel frischer Farbe am Pinsel) zu hell (wenn nur noch wenige Pigmente übrig sind). Auch das macht die Dynamik der Berge mit aus.
  3. Übung macht den Meister! Es kann eine Weile dauern, bis man auch feinere, gerade Linien gut mit dem Pinsel hinbekommt. Um zu vermeiden, dass die allererste Linie mit frischer Farbe zu dick wird und unkontrolliert ausläuft, kannst du den Pinsel vorher ganz leicht an einem Stück Küchenpapier oder an einem Tuch abstreifen.

Male so viele Dreiecke, bis das untere Drittel unseres Kreises komplett ausgefüllt ist. Jetzt sind deine Berge fertig!

4) Die Sterne

Wenn die Berge getrocknet sind, kannst du mit einem feinen Pinsel noch Sterne in den Nachthimmel tupfen, in Weiß oder Gold oder Silber. Auch hier ist die Unregelmäßigkeit wieder wichtig: Achte auf unterschiedlich große Abstände zwischen den einzelnen Sternen.

Jetzt wieder alles trocknen lassen und zum Schluss alle Hilfslinien wegradieren. Fertig!

Projekt 2: Aquarell-Doodle-Landschaft

Unser nächstes Projekt ist auch wieder kreisrund – diesmal werden wir aber viel mehr doodeln! Das ist doch schön, oder? 😉

1) Alle meine Doodles

Als kleine Aufwärmübung für das Landschaftsbild sammeln wir erst einmal verschiedene Doodle-Formen und Muster. Auf diese Weise lernen wir immer besser, unseren feinen Pinsel und die Farbe zu beherrschen, und wir stellen uns ein Repertoire an Doodles zusammen, auf das wir später einfach zurückgreifen können.

Ich habe mir ein grobes Raster auf ein Blatt Aquarellpapier (es muss für diesen Zweck nicht besonders hochwertig oder dick sein) gezeichnet. Wie viele Einzelfelder du dabei erstellen möchtest, ist ganz dir überlassen – in meinem Fall waren es 15.

Und jetzt beginnt auch schon der Spaß: Jedes Kästchen wird mit einem eigenen Doodle-Muster gefüllt. Du kannst dich gern von dem inspirieren, was ich gemalt habe – und natürlich kannst du dir ganz frei deine eigenen Gestaltungselemente überlegen! Die Basis für alle Doodles sind Punkte, Kreise und Linien – und damit kannst du dann alles machen, was dir einfällt. Manche Muster sind total simpel, wie zum Beispiel kleine Punkte oder schlichte Streifen, andere sind komplexer. Ich finde eine Kombination aus einfachen und zusammengesetzten Mustern immer am wirkungsvollsten.

Mein Tipp, was du tun kannst, wenn dir partout nichts mehr einfällt: Schau dich in deiner unmittelbaren Umgebung nach Inspiration um. Wir sind von Mustern umgeben – unsere Aufgabe ist nur, diese zu sehen und gegebenenfalls ein bisschen zu abstrahieren. Wenn ich mich hier an meinem Arbeitsplatz umschaue, fallen mir folgende Strukturen und Muster auf: Holzmaserung, Korbgeflecht, meine Tastatur, ein Eukalyptuszweig, Anspitzreste von Buntstiften, Kabelsalat, Pinselborsten… Aus all diesen Eindrücken lassen sich tolle Doodles machen!

Fordere dich selbst heraus und fülle das ganze Blatt mit verschiedenen Doodles. Und wenn du noch nicht genug hast, gern auch noch ein zweites!

2) Die Vorskizze

Jetzt geht es los mit unserem Landschaftsbild. Zuerst fertigen wir wieder eine grobe Skizze mit Bleistift an. Die Ausgangsform ist ein großer Kreis, in den wir dann die Landschaftselemente ganz grob einfügen: Wälder, Wiesen, Berge, Steine, Wolken. . .

Anschließend habe ich mir auch diesmal Gedanken über meine Farbpalette gemacht und mich für verschiedene Braun- bzw. Erdtöne, Gelb, Hellgrün, Hellblau und ein helles Grau entschieden.

3) Der farbige Hintergrund

Nun kommt Farbe ins Spiel: Wir malen die einzelnen Landschaftselemente mit Aquarellfarbe aus. Um zu verhindern, dass die Farben ineinander laufen, habe ich zuerst Felder ausgemalt, die nicht direkt nebeneinander lagen und darauf geachtet, dass eine Farbe erst (an)getrocknet war, bevor ich das benachbarte Feld ausmalte. Das hat gut funktioniert – nur in der Mitte des Bildes war ich ein bisschen ungeduldig…

4) Doodle-Zeit!

Wenn die Hintergrundflächen vollständig getrocknet sind (das ist wichtig), können wir mit unseren Doodles beginnen!

Ich habe für das Muster eines Feldes immer den gleichen Farbton genommen, den ich auch schon beim jeweiligen Hintergrund verwendet hatte (also z.B. hellgrüne Doodles auf hellgrünem Hintergrund). Das ist aber kein Muss – ich finde es einfach schöner so.

Fülle nach und nach jedes Feld mit einem eigenen Muster – jetzt kannst du auf deine Doodle-Sammlung zurückgreifen! Die Abwechslung zwischen größeren und feineren Mustern, Streifen- und Punktbasierten Doodles lässt dein Bild lebendiger wirken. Du kannst auch einzelne Felder freilassen, wenn du möchtest.

Um zu verhindern, dass ich mit meiner Hand die noch frische Farbe verwische, drehe ich mein Papier oft hin und her – bei Doodles ist es ja egal, in welche Richtung ich sie male und ob sie auf dem Kopf stehen.

Und dann ist unser zweites Bild auch schon fertig!

Ich hoffe, die beiden Projekte gefallen euch und ihr habt Lust, sie auszuprobieren. Bei Fragen und Anregungen wendet euch sehr gern an mich –

und nächste Woche geht es weiter!

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