Aquarell,  Tutorials

Kleiner Aquarellkurs (Teil 5)

Bis zum Sommer sind es zwar noch ein paar Monate – trotzdem habe ich mir für den 5. Teil unseres Aquarellkurses zwei maritime Projekte mit jeder Menge Urlaubsgefühlen überlegt. Ich liebe das Meer (wer tut das nicht?), und alles, was damit zu tun hat, inspiriert mich; ganz besonders wahrscheinlich aber die Muscheln und anderen Schätze, die man am Strand finden kann. Von unserem Portugal-Urlaub im letzten Jahr haben wir eine große Tüte voll mit wunderbaren Funden mitgebracht, die sich perfekt eignen, mit Aquarellfarben auf Papier verewigt zu werden!

Ich wünsche euch viel Spaß mit diesem Post – und wie immer freue ich mich über euer Feedback, eure Ideen und eure Werke, die ihr unter #rebekkaskleineraquarellkurs auf Facebook oder Instagram teilen könnt!

Projekt 1: Blind contour Muscheln

Zeichnen ist für viele Menschen ein Wort, das bei ihnen eher Nervosität und Versagensgefühle hervorruft als Begeisterung. Aus irgendeinem Grund glauben die meisten nämlich, nicht zeichnen zu können.

Ich behaupte: Zeichnen kann jede und jeder – ein bisschen Übung gehört natürlich dazu, aber vor allem eine positive Einstellung. Und wenn wir den Anspruch loslassen, einen Gegenstand möglichst naturgetreu und realistisch abbilden zu wollen, hilft das auch. Diesen Anspruch haben wir heute nicht, denn wir zeichnen blind. Nicht mit geschlossenen Augen – aber das erkläre ich euch gleich.

Für dieses erste Projekt benötigen wir neben Aquarellfarben und Pinseln einen permanenten (also wasserfesten) Fineliner oder Marker. Das ist wichtig, damit die Konturen später, wenn wir mit Aquarellfarben darüber gehen, nicht verwischen. Und wir brauchen einige Gegenstände, die wir zeichnen möchten. Ich habe mich, wie gesagt, für Muscheln entschieden, aber da kannst du einfach nehmen, was du da hast.

1. Die Umrisse zeichnen

Beim blind contour drawing geht es darum, beim Zeichen möglichst nicht aufs Papier zu schauen sondern nur auf den Gegenstand, den man zeichnen möchte. Wir achten genau auf jedes Detail, auf Form und Muster und Struktur und schauen einmal wirklich hin. Dabei zeichnen wir – und das Ergebnis erstaunt und begeistert mich jedes Mal!

Mit unserem Permanent Marker zeichnen wir also eine Muschel nach der anderen in unser Skizzenbuch oder auf ein Stück Aquarellpapier. Dabei schauen wir nur auf die Muschel, die wir gerade in der Hand halten, und nicht aufs Papier. Wenn du möchtest, kannst du die Muschel komplett mit einer einzigen Linie zeichnen, also ohne den Stift abzusetzen.

Nimm dir Zeit. Schau genau hin. Entdecke Details. Staune.

Auf diese Weise zeichnest du eine Muschel nach der anderen, bis dein Blatt voll ist.

Gerade dass die Linien verrutschen und die gezeichneten Gegenstände nicht “realistisch” aussehen, macht den Reiz der Zeichnungen aus. Wir fangen den Charakter der Muscheln ein, ihre Form und Struktur, kleine Details, und das ist Kunst, finde ich.

2. Kolorieren

Jetzt kommt Farbe ins Spiel! Ich habe mich beim Kolorieren der Muscheln bemüht, möglichst genau die Farbtöne zu mischen, in denen sie gefärbt sind. Im Wesentlichen verwendete ich die Farben Ocker, Grau, Preußischblau und Rotbraun, gemischt mit kleineren Anteilen von Gelb, Lila und Pink.

Hier muss man einfach ein bisschen herumprobieren und experimentieren, bis man die richtige Farbzusammensetzung gefunden hat – das macht auch sehr viel Spaß und ist zum Teil sehr überraschend: Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass die Kombination aus Grau, Rotbraun und einem Hauch Lila ziemlich genau den Farbton der Miesmuschel ergab!

Wenn wir die (einigermaßen) passenden Farbtöne für eine Muschel gefunden haben, können wir sie damit ausmalen. Wichtig ist, mit den hellen Tönen zu beginnen und Stellen, die weiß bleiben sollen, freizulassen.

Bei diesem Projekt geht es ja überhaupt nicht darum, die Muscheln realistisch darzustellen – deshalb sind wir bei der Farbgebung auch freier. Wenn wir über die Außenlinien malen, kann das einen schönen Effekt ergeben. Eine andere Möglichkeit ist, jede Fläche, die beim Zeichnen entstanden sind, mit einer anderen Farbe auszumalen (so wie bei “Malen nach Zahlen”).

Versuche, den Pinsel möglichst locker zu halten und die Farbflächen interessant zu gestalten, indem du den Farben erlaubst, zu fließen und sich mit anderen zu verbinden.

Fertig!

3. Details hinzufügen

Als die erste Farbschicht getrocknet war, habe ich mich entschieden, mit einem dünneren Pinsel (Nr. 1) noch ein paar Details hinzuzufügen. Einfach ein paar dunklere Linien oder Punkte, um die interessanten Strukturen der Muscheln etwas stärker hervorzuheben.

Projekt 2: Urlaubserinnerungen illustrieren

Bisher haben wir mit unseren Aquarellfarben vor allem schöne Farbverläufe kreiert, einfache Flächen gefüllt und gedoodelt. In diesem zweiten Projekt für heute geht es zum ersten Mal darum, Gegenstände etwas wirklichkeitsgetreuer mit Aquarellfarben zu illustrieren.

Ich zeichne und male sehr gern Sammlungen von verschiedenen Gegenständen, ganz besonders von Muscheln. Und weil wir uns ja gerade schon ein bisschen mit Muscheln beschäftigt haben, eignen sie sich hervorragend für den zweiten Schritt – von eher abstrakt zu realistisch.

Wie wahrscheinlich alles im Leben ist auch das eine Übungssache – und keinesfalls “Zauberei”! Ich zeige euch, wie ich normalerweise vorgehe und mit welchen einfachen Tricks ihr es schafft, dass eure Muscheln dreidimensional erscheinen.

1. Grobe Vorskizze anlegen

Bevor ich zu Pinsel und Aquarellkasten greife, lege ich erst einmal eine grobe Vorskizze an. Diese beinhaltet im Wesentlichen die Außenlinien der Gegenstände, die ich malen möchte und nur wenige Details. Ich verwende einen nicht zu spitz angespitzten Bleistift der Stärke HB, und ich drücke nur ganz leicht auf.

Auch wenn es natürlich möglich ist, unerwünschte Linien wegzuradieren, würde ich empfehlen, nur wenig zu radieren und dabei vorsichtig vorzugehen, damit das Papier nicht so sehr aufgeraut wird. Das sieht beim Malen später einfach nicht mehr so schön aus.

2. Kolorieren: Die erste Farbschicht

Der Anfang ist immer ganz leicht: Ich male jeden Gegenstand erst einmal in einem Farbton aus, der die Basis bildet. Flächen, die weiß bleiben sollen, spare ich aus – wie hier bei der Schwalbe aus blau glasierter Keramik (mein Lieblingssouvenir aus Lissabon). Weiße Stellen tragen genau wie dunklere Flächen dazu bei, dass eine Zeichnung Tiefe und Dimension bekommt.

Ich sehe genau hin, wo ein Gegenstand weiße Punkte oder hellere Stellen hat und versuche, diese in meiner Illustration zu berücksichtigen.

Das ist überhaupt das Wichtigste beim Malen: Das Hinsehen.

3. Der Vogel aus Keramik

Wenn alle Elemente auf meiner Seite eine erste Färbung bekommen haben, nehme ich mir eins nach dem anderen vor und ergänze weitere Farbschichten und Linien, bis ich damit zufrieden bin. Das ist das Schöne an Aquarellfarben: Schicht für Schicht baut sich das Motiv auf und gewinnt dadurch automatisch an Tiefe.

Ich habe mit dem blauen Keramikvogel begonnen. Bei der zweiten blauen Farbschicht mischte ich den Farbton schon etwas dunkler an – viel Ultramarin mit etwas Lila. Das Wichtige ist, nicht den kompletten Vogel damit auszumalen, sondern hellere Stellen stehenzulassen.

Einzelne dunkle Konturlinien bilden den Abschluss meiner Illustration – so gehe ich immer vor und das macht sicher auch ein bisschen meinen Stil aus. Dabei umrande ich aber nicht den kompletten Vogel mit einem dunkelblauen Strich, sondern setze einzelne Akzente – damit erziele ich einen gewissen dreidimensionalen Effekt.

4. Die erste Muschel

Auch bei der langen, schmalen Muschel bin ich so vorgegangen: Über die erste, helle Farbschicht habe ich dunklere Schichten und Linien gelegt, ohne den Untergrund komplett zu bedecken.

Meine Farbtöne mische ich mit jeder Ebene etwas dunkler an. Es ist übrigens nicht unbedingt nötig, die einzelnen Schichten trocknen zu lassen, bevor wir den nächsten Farbton ergänzen. Einzelne Linien und kleinere Ecken trocknen ohnehin schnell; und wenn die Farben an der einen oder anderen Stelle ineinander laufen, ist das eigentlich ganz schön.

Und was ich – aus irgendeinem Grund – bei (fast) jeder Aquarellillustration mache: Ich füge eine leichte Schattenlinie in Lila hinzu. Warum ich das tue, und warum ich ausgerechnet Lila verwende, kann ich nicht erklären – ich habe einfach für mich festgestellt, dass es funktioniert. Egal, welche Farbpalette ich auf dem Bild verwende – erst wenn ich am Ende noch etwas Lila hinzufüge, ist es für mich fertig.

Was ich auf jeden Fall empfehle, ist, reines Schwarz zu vermeiden. Dunkle Braun-, Grau- oder Blautöne sind weniger hart und fügen sich besser in das Gesamtbild.

5. Die zweite Muschel

Zur Demonstration habe ich für euch auch die einzelnen Arbeitsschritte einer weiteren Muschel fotografiert. Bei dieser habe ich mich entschieden, die rechte Hälfte farblich dunkler zu gestalten, damit die fertige Muschel dreidimensional wirkt.

Und auch in diesem Fall setzte ich am Ende eine Schattenlinie in Lila.

6. Die dritte Muschel

Noch ein weiteres Beispiel dafür, wie ich die Farbschichten aufbaue:

Je nachdem, wie detailliert und wirklichkeitsgetreu die Muscheln aussehen sollen, sind mehr Arbeitsschritte erforderlich.

Ich habe mich entschieden, meiner Muschelsammlung einen eher lockeren Look zu verleihen und nicht zu genau und “ordentlich” zu malen. Mein Stil hat sich in dieser Hinsicht in den letzten Monaten wohl doch ein wenig gewandelt. Geblieben sind aber die dunklen Linien zur teilweisen Umrandung der einzelnen Elemente – ohne die geht es für mich nicht 🙂

Und dies war er auch schon – der vorerst letzte Teil meines kleinen Aquarellkurses!

Ihr müsst aber nicht traurig sein: Ich überlege schon, wie es damit weitergehen könnte, hier auf dem Blog, oder aber auch im Shop… In jedem einzelnen Post der Reihe stecken mehrere Stunden Arbeit – aber auch total viel Herzblut, Freude und Spaß, sodass ich einfach sehen muss, wie ich mit diesem Format weitermachen kann.

Ich hoffe, dass ich euch inspirieren und ein paar hilfreiche Tipps weitergeben konnte und dass ihr Lust habt, in der Aquarellmalerei ein neues Hobby zu entdecken! Für mich sind Aquarellfarben meine all-time-favorites geworden, die ich fast täglich nutze und ohne die ich nie verreise (auch nicht für eine Nacht)!

Viel Spaß und alles Liebe!

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