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Näher zu dir

Langsam kehrt der Alltag zurück. Wir studieren einen neuen Rhythmus ein, finden unseren Takt, der Puls normalisiert sich. Es ist eine spannende Zeit, wenn das erste Kind in die Schule kommt. Eine Phase des Umbruchs, die neben aller Vorfreude auch große Unsicherheit und Sorgen mit sich bringen kann.

Schon mit drei Jahren fragte unsere Tochter, wann sie endlich in die Schule käme, und konnte den Tag der Einschulung kaum erwarten. Je näher dieser rückte, desto stiller wurde sie. Sie erzählte kaum etwas von den ersten Tagen im Hort und ich begann, mir Sorgen zu machen… ging es meinem Kind gut?

Sie suchte meine Nähe wie schon lange nicht mehr. Folgte mir auf Schritt und Tritt, und wich nicht von meiner Seite. Hielt meine Hand. Brauchte Tag und Nacht die Gewissheit: Mama ist da. Und ich war da.

Während ich über das Verhalten meiner Tochter nachdachte, wurde mir mehr und mehr klar, dass ich wieder einmal viel von ihr lernen konnte – dass sie mir gerade vorlebte, wie man sich in solchen Umbruchzeiten verhält: Sie rückte näher an uns, ihre Eltern, heran; suchte instinktiv den Ort, an dem sie Sicherheit und Geborgenheit zu finden wusste.

Dazu bin ich auch eingeladen.

Einen solchen Zufluchtsort gibt es doch auch für mich:

“Ich werde euch trösten wie eine Mutter ihr Kind tröstet.” (Jesaja 66,13)

Gottes VaterMutterarme warten nur darauf, mich zu umarmen!

Wann habe ich es eigentlich verlernt, in den besonders schwierigen und herausfordernden Zeiten direkt zu meinem Papa im Himmel zu laufen und mich bei ihm zu bergen?

Warum versuche ich es so oft allein, mit meiner eigenen Weisheit, anstatt einfach die Nähe Gottes zu suchen, ganz intensiv?

Unsere Tochter ist mir in den letzten Wochen zum Vorbild geworden. So wie sie bei uns Zuflucht suchte, weil alles fremd und ungewohnt war und sie sich unsicher fühlte, so durfte auch ich, als ihre Mutter, mich in meiner eigenen Unsicherheit und meinen Sorgen um mein Kind bei Gott anlehnen. Allein, aber auch gemeinsam mit meinem Mann und unserer Tochter.

Nach ein paar Tagen spürte ich eine leise Veränderung. Mein Mädchen hüpfte wieder herum und rannte voraus. Sie erzählte kleine Begebenheiten des Tages. Sie spielte nachmittags auch mal allein in ihrem Zimmer. Sie lachte wieder, war ganz unbeschwert. Wenn ich sie zur Schule brachte und später wieder abholte, merkte ich, dass sie angekommen war, dass sie diesen Ort als ihren Ort angenommen hatte.

Für den Moment übe ich mich im Loslassen und versuche, mein Kind beim Selbstständig werden zu unterstützen. Aber ich weiß, dass auch wieder unsichere, schwierigere Zeiten kommen und dass sie mich dann wieder mehr brauchen wird. Dann werden wir gemeinsam Gottes Nähe suchen – sie zeigt mir ja, wie das geht.

Ein Kommentar

  • Laura

    Vielen Dank dir für diese Blickrichtung.
    Ich werde sie teilen!!
    Und mich hoffentlich in 3 Wochen daran erinnern, wenn auch wir unsere erste Tochter einschulen 🙂

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