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Meer ist mehr – eine Auszeit an der Ostsee

Veränderungen anstoßen und Neues wagen – das habe ich mir für 2023 vorgenommen. Und damit ging es auch gleich sehr gut los: Ich war letztes Wochenende ganz allein auf Usedom und habe mir eine kleine Auszeit gegönnt. Nur die Wellen, der Wind und ich, für zwei Tage und zwei Nächte.

Nach so einer Zeit für mich allein hatte ich mich schon lange gesehnt, und mein Mann hat mir diesen konkreten Weihnachtswunsch auch sehr gern erfüllt, hat mir Unterkunft und Zugticket gekauft und alle meine immer wieder auftretenden Bedenken weggewischt. Die Kinder und er hatten natürlich eine tolle Zeit zusammen 🙂

Ja, es ist schon manchmal komisch, wenn plötzlich ein Traum wahr wird, wenn endlich die Gelegenheit gekommen ist, auf die man so lange gewartet hat: Da bekommt man mitunter kalte Füße. So jedenfalls ging es mir in den Tagen vor meinem Usedom-Wochenende. Es kam auch mal wieder alles zusammen: Ein Abend in der Notfallambulanz mit einem Kind, der Kleine war besonders anhänglich und musste am Tag vor der Abfahrt früher aus der Kita abgeholt werden… Ich sah schon alle Felle davon schwimmen.

Und gleichzeitig merkte ich, dass mir diese möglichen Gründe, die Reise abzusagen, gar nicht mal so unrecht waren. Ich hatte Angst. Angst vor dem Allein-sein, Angst vor der Ruhe, Angst vor dem komplett unabhängig und selbstständig Unterwegs sein. Das war ich nämlich schon sehr, sehr lange nicht mehr. So richtig alleine verreist war ich tatsächlich noch nie. Ich fragte mich wirklich: “Wer bin ich überhaupt, so ohne Mann und Kinder, wenn ich nur noch ich bin?” Ich hatte Angst, mit mir allein zu sein, und dann festzustellen, dass da niemand mehr ist… dass ich ohne meine Rolle als Mutter überhaupt nichts mehr bin und habe.

Ich glaube, dass mir dieses (scheinbar) unersetzbar sein doch auf eine merkwürdige Art gefällt. Es gibt mir Sicherheit, es gibt mir Identität, es gibt mir Wert und Sinn. Ich bin Mama – ich werde gebraucht! Ich bin wichtig und wertvoll – weil ich für meine Kinder wichtig bin.

Und ich vermute auch, dass ich dieses unersetzbar sein als Mutter auch immer wieder als Vorwand nutze, als Grund vorschiebe, um weiter in meiner Komfortzone verweilen zu können: “Nein, ich kann nicht – ich bin Mutter! Nein, das geht nicht – meine Kinder brauchen mich. Nein, ich muss zu Hause bleiben – wegen der Kinder…”

Aber, siehe da, es geht eben doch ohne mich! (Und das war ja auch gar nicht wirklich meine Sorge, dass mein Mann das Wochenende mit den Kindern nicht wuppen würde, dass irgendwer verhungern oder sonstwie verwahrlosen würde – das war ja nur vorgeschoben!)

Und, wie erleichternd: Ich bin noch da! Ich bin jemand, ich ganz allein, auch ohne dass ich andere Personen außerhalb meiner selbst benötige, die mir Identität und Wert geben. Meine Gesellschaft ist mir durchaus angenehm und ausreichend, es war mir keine Sekunde langweilig oder merkwürdig zumute, es war alles ganz wunderbar!

So groß meine Ängste und Sorgen und Bedenken eben noch gewesen waren – als ich erst einmal im Zug saß, ganz allein, in Ruhe und Frieden – da fing ich schon an, die Zeit zu genießen! Ich brauchte mich um niemanden zu kümmern als um mich selbst. Da war niemand, der Hunger oder die Windel vollhatte, dem ich immer wieder dasselbe Buch vorlesen oder den ich durch den ganzen Zug verfolgen musste, niemand, der sich stritt, der stundenlang Dino-Trumpf mit mir spielen wollte oder alle fünf Minuten fragte, wann wir endlich da wären – Erholung pur!

Zug fahren finde ich ja sowieso schön, und ich war auch sehr gut vorbereitet, hatte zwei Bücher dabei (eines davon habe ich am Wochenende auch ausgelesen), mein Tagebuch, Musik, Stifte zum Zeichnen, Snacks natürlich…  “Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hinzuschauen”, wie Astrid Lindgren sagte, und diese Zeit hatte ich auch! Ich saß einfach nur da und schaute aus dem Fenster.

Die Deutsche Bahn meinte es gut mit mir und brachte mich ganz ohne Verzögerungen oder sonstige Verwirrung an mein Ziel: Zinnowitz auf der Insel Usedom. Nicht unbedingt der schönste oder besonderste Ort dieser Insel, aber für meine Zwecke bestens geeignet: Ich wollte gar nicht viel unternehmen oder so; ich wollte meine Ruhe, und die bekam ich auch.

Da Zinnowitz eher klein ist, konnte ich überallhin zu Fuß gehen. Mein erster Weg führte mich ins Hotel und dort auf mein Zimmer. Ein kleiner Raum mit Bett, Tisch und Stuhl, ganz allein für mich! Ich konnte mich überall ausbreiten, alles überall liegen lassen, ohne Sorge, dass kleine Kinderhände danach greifen würden… Das habe ich auch sehr genossen. Um es noch ein bisschen gemütlicher zu gestalten, würde ich beim nächsten Mal noch eine Lichterkette, eine Kerze (mit Streichhölzern) und eine Decke mitnehmen – aber so sammelt man eben seine Erfahrungen 😉

Nachdem ich mich ein bisschen eingerichtet hatte (für mich ist es immer wichtig, meinen Koffer auszupacken, egal, ob ich nur für eine Nacht wegfahre oder für länger), wollte ich unbedingt ans Meer. Ich hatte plötzlich so eine große Sehnsucht danach! Es war schon dunkel und auch ziemlich kalt, aber der Moment, in dem ich das Meer endlich sah, an dem ich das Rauschen der Wellen hörte und ihr rhythmisches Klatschen an den Strand, da war das alles egal. Ich war ganz allein dort am Meer, mit den Wellen, den Muscheln und dem Sand, der Vollmond tauchte die Nacht in sein silbriges, gütiges Licht, und das war so schön! Wenn ich am Meer bin, dann bin ich glücklich. Das weiß ich immer, aber wenn ich dann wirklich am Meer stehe, dann fühle ich es ganz tief innen.

Irgendwann wurde mir doch kalt und ich suchte mir einen Ort zum Aufwärmen und Abendessen. Ich hatte ein wenig Sorge, ob es komisch sein würde, allein in einem Restaurant zu sitzen und zu essen, aber das war es überhaupt nicht. Im Gegenteil: Ich genoss es sehr! Wieder konnte ich ganz in Ruhe nachdenken, was ich überhaupt essen (und mir leisten) wollte, ich konnte während des Wartens in mein Tagebuch schreiben, ich konnte jeden Bissen genießen und würdigen, musste mein Essen nicht teilen und mich um nichts und niemanden kümmern. Das war doch ein ziemlicher Kontrast zu den Abendessen, wie wir sie in letzter Zeit als Familie erlebt haben… nicht so einfach.

Anfang Januar ist wohl eine gute Reisezeit für die Ostsee, wenn man das Gefühl haben möchte, alles für sich ganz alleine zu haben. In den Cafés und Restaurants war kaum etwas los und auch am Strand und auf der Promenade begegneten mir nur wenige Menschen. Das habe ich als sehr angenehm empfunden, es kann aber auch dazu führen, dass man in einem Restaurant schon ab 19 Uhr nichts mehr zu Essen bekommt oder dass die (ohnehin wenigen) Attraktionen geschlossen haben. Für mich war das aber, wie gesagt, kein Problem. Ich freute mich einfach darauf, mich mal auf meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu konzentrieren und das zu tun, worauf ich gerade Lust hatte. Und nun wollte ich im Hotel-Pool schwimmen gehen! Mein Mann hatte das Hotel extra danach ausgesucht, und ich war wild entschlossen, mich aus meiner Komfortzone herauszuwagen und das zu tun, was ich tief innen wollte: Schwimmen gehen.

Und so ignorierte ich alles, was für mich in irgendeiner Form gegen das Schwimmen im Hotel-Pool sprechen konnte und was mich in anderen Zeiten wahrscheinlich auch davon abgehalten hätte: Meine Periode (die sich natürlich im ganzen vorausgegangenen (selbst gemachten) Stress verzögert hatte), die Tatsache, dass ich nur mit Badeanzug und Bademantel bekleidet durchs Hotel laufen musste, die Unsicherheit, ob auch andere Leute zeitgleich mit mir den Pool benutzen würden…

Alle diese Bedenken erwiesen sich – natürlich – als unbegründet. Unterwegs im Hotel begegnete ich niemandem außer dem freundlichen Portier, und den Pool hatte ich tatsächlich für mich allein. Das Wasser war ziemlich kalt (was mich insgeheim beruhigte, Energiekrise und so), aber beim Schwimmen wurde mir langsam warm und ich genoss sowohl das Schwimmen an sich, als auch die Tatsache, dass ich es geschafft hatte, hierher zu kommen.

Es ist immer wieder erstaunlich und auch traurig für mich, wie sehr Ängste, falsche Glaubenssätze und frühere Erfahrungen sowie meine Prägung mich immer noch bestimmen und davon abhalten, Dinge zu tun, die ich (vielleicht) gerne tun würde und die für andere Menschen vollkommen normal sind. Schwimmen gehen und Wasser im Allgemeinen sind auch so ein Beispiel dafür. In den letzten Jahren habe ich gemerkt, wie sehr ich es liebe, im Wasser zu sein und schwimmen zu gehen – im See, im Meer, im Freibad, und dass das Wasser doch viel mehr mein Element ist als ich dachte. Doch die alten Ängste aus meiner Kindheit sind eben auch noch da. Ich möchte es nicht mehr zulassen, dass sie mich um meine Freiheit bringen, und ich bin auf dem Weg dorthin; gleichzeitig weiß ich, dass es viel Zeit brauchen wird, die Hindernisse in meinem Kopf zu überwinden.

Den Rest des Abends verbrachte ich mit meinem Art Journal – das hatte ich mir, gemeinsam mit einigen Materialien mitgenommen. In meinem “Art Journal-Kit” befanden sich neben Kleber und Schere vor allem einige Collage-Papiere, bunte Klebepunkte und weiße Lochverstärkungsringe, weiße Acryfarbe mit Palettenmesser (Spachtel – so benötige ich keinen Pinsel), ein schwarzer, wasservermalbarer Buntstift und ein paar wasserlösliche Kreiden (Caran D’Ache Neocolor II). Und meine Aquarellfarben hatte ich auch noch dabei 🙂

Ich liebe das wirklich so sehr! Beim Malen und Kleben und Gestalten fühle ich mich ganz lebendig. Da sind keine Hindernisse in meinem Kopf – ich bin frei und wach und glücklich.

An diesem Abend war kein Vermissen, keine Reue, keine Sorge. Ich war ganz im Moment, ganz im Hier.

Immer wieder an diesem Wochenende habe ich – neben all dem anderen, dem Meer und den Muscheln und den Gebäuden – auch mich fotografiert. Das ist für mich ein bisschen ungewohnt und ich mache sonst eigentlich nie Selfies (höchstens zusammen mit meinem Mann oder den Kindern), aber in diesen Tagen habe ich das ganz bewusst getan und auch zelebriert. Ich wollte Erinnerungen festhalten, das, was mir wichtig war – und das bin eben auch ich.

Für den nächsten Tag hatte ich mir schon einen ungefähren Plan gemacht, was ich unternehmen wollte. Mir hilft das immer, wenn ich mich auch nicht penibel daran halte. Der Himmel meinte es gut mit mir und entgegen der Prognose des Wetterberichts blieb es trocken. Das war nur eines von vielen Geschenken in diesen Tagen! Gott hat mich wirklich beschenkt, mit unproblematischen Zugfahrten, gutem Wetter, einem Hotel mit sehr freundlichem Personal, mit innerem Frieden und einer Periode, die sich kaum bemerkbar machte… Immer wieder schickte ich kleine “Danke!”s nach oben.

Der Weg vom Hotel zum Strand führte mich direkt an einer Galerie vorbei (auch das war bestimmt kein Zufall!) und dort schaute ich nach dem Frühstück einfach rein. Schon im Garten gab es interessante Skulpturen und Installationen zu bestaunen, und innen war ich die einzige Besucherin, mit exklusiv-Führung durch den Galeriebesitzer und Künstler der meisten ausgestellten Werke. Ein total inspirierender Ort, der in mir wieder die Sehnsucht weckte… so ein Leben sieht in meinen Träumen wunderbar aus: Leben und Malen am Meer, ganz aufgehen in der Kunst, umgeben von Natur und so viel Inspiration, der Duft von Freiheit liegt in der Luft … Ganz so luftig-leicht ist es in der Realität sicher nicht, und ich bin dankbar für mein ganz normales Standardleben (das ja überhaupt nicht selbstverständlich und ein großes Geschenk ist) hier in der großen Stadt mit meiner Familie. Trotzdem, die Träume und Sehnsüchte sind da, und ich bin gespannt, was sich aus ihnen noch entwickeln wird…

Anschließend kaufte ich ein paar Postkarten und kleine Mitbringsel für die Kinder, um gleich wieder an den Strand zu gehen. Die nächsten Stunden verbrachte ich am Meer. Ging am Strand entlang, sammelte Muscheln, machte Fotos, schaute den Wellen und den Vögeln zu, ließ mir den Wind um die Nase wehen und genoss einfach nur, da zu sein und diese Schönheit erleben zu dürfen. Ein bisschen bereute ich doch, die Kamera nicht mitgenommen zu haben und nur mit dem Smartphone fotografieren zu können, aber letztlich sind die Bilder in meinem Kopf ja doch die stärksten Erinnerungen.

Am Meer inspiriert mich alles, und so sog ich die Eindrücke und Farben und Linien und Muster nur so in mich auf.

Meine Postkarten schrieb ich in einer lokalen Kuriosität – im Lift-Café, das einmal in der Stunde auf 25m über dem Meeresspiegel hochgefahren wird. Von dort oben hat man (bei gutem Wetter) einen schönen Blick über Zinnowitz, das Meer und die umliegenden Inseln. Kann man mal machen, würde ich sagen.

In einem anderen Café gönnte ich mir Kaffee und einen veganen Brownie und füllte einige Reflexionsseiten in meinem neuen Jahresplaner aus. Auch wenn ich es mir im Vorfeld immer so toll vorgestellt hatte, merkte ich während des Wochenendes, dass ich überhaupt nicht der Typ dafür bin, stundenlang in einem Café zu sitzen und zu schreiben. Dafür brauche ich mehr Ruhe, mehr Alleinsein, und außerdem habe ich schnell das Gefühl, anderen den Platz wegzunehmen oder noch mehr bestellen zu müssen… Also doch lieber ein paar Seiten in meinem Roman lesen, den Kaffee austrinken, zahlen und weiterziehen.

Den Rest des Tages verbrachte ich zu einem guten Teil in meinem Hotelzimmer mit Lesen, Malen und Tagebuch schreiben – ich hatte ja auch wieder viele Eindrücke zu verarbeiten; ich entdeckte im Ort aber auch noch ein von oben bis unten vollgestopftes Trödelgeschäft, wo ich ein paar besondere Erinnerungsschätze für ein paar Euro erstand.

Abends ging ich wieder in einem Restaurant essen und zum Abschluss des Tages wieder an den nächtlichen Strand.

Ich stand da, im Nebel, schaute den Mond an und fragte Gott: “Wie soll es weitergehen mit mir? Wann zeigst du mir endlich den Weg?”

Plötzlich kamen mir die Tränen und ich musste ein bisschen weinen; ich weiß auch nicht so genau, warum. Ich fühlte mich verloren und gefunden zugleich, unsichtbar und gesehen, schwach und stark. Ich blickte auf die Wellen, die unablässig ans Land spülten, auf die Kraft des Wassers und die schier unendliche Weite des Meeres, und spürte, dass auch ich Kraft habe, dass ich frei bin und dass ich meinen Weg finden werde, so wie die Wellen den Strand.

So oft sehe ich mich als “Opfer der Umstände”, schiebe irgendwelche Dinge als Vorwand vor, um nichts verändern, um fällige Entscheidungen nicht fällen zu müssen. Aber das muss nicht so bleiben. Ich kann Verantwortung übernehmen, nicht nur für meine Kinder und unsere Familie, sondern auch für mich selbst und meine eigene Zukunft. Ich kann Schritte gehen, einfach mal etwas ausprobieren, etwas wagen. Ich brauche mich nicht zu verstecken, keine Angst vor Fehlern zu haben. Ich bin unendlich geliebt, von Gott reich beschenkt und berufen, ausgerüstet zu so viel Gutem, das er schon für mich vorbereitet hat (Epheser 2,10)!

Ich dachte an die vier Wörter, die ich in einem “2023-Wortgitter” entdeckt habe: Family, Gratitude, Power, Breakthrough, und wie gut sie doch zu mir passen, wie sehr ich mir das alles für 2023 wünsche.

Plötzlich war da so viel Vertrauen und Zuversicht, Entschlossenheit und Stärke!

Mit festen Schritten ging ich durch den Nebel zurück ins Hotel, um all diese Gedanken und Gefühle und Entschlüsse in meinem Tagebuch festzuhalten.

Der nächste Morgen war auch schon mein letzter Morgen auf Usedom. Ich genoss es noch einmal ganz bewusst, in Ruhe zu frühstücken und in den Tag zu starten.

Außerdem wollte ich vor der Abreise noch ein letztes Mal an den Strand gehen. Ich wählte einen anderen Weg als bisher – symbolisch sozusagen für die neuen Wege, die ich in diesem Jahr gehen möchte.

Am Strand war es so schön am frühen Sonntagmorgen. Außer mir war kaum jemand unterwegs. Am Horizont malte die aufgehende Sonne einen zartrosa Streifen und alles war in hellrosa Licht getaucht. Noch ein letztes Mal ging ich am Wasser entlang, hob ein paar Muscheln auf, beobachtete die Möwen und die Wellen.

Die Muscheln, die an den Strand gespült worden waren, brachten mich zum Nachdenken: Letztlich sind sie ja nichts als tote Kalkschalen… Ich liebe es, Muscheln anzuschauen und sie zu sammeln, ich liebe es auch, sie zu malen und zu zeichnen und ich finde sie einfach wunderschön – aber biologisch-rational betrachtet, sind sie lediglich die Überreste eines Lebewesens. Leere Hüllen, aus denen alles Leben gewichen ist, die von den Meereswogen hierhin und dorthin getrieben werden und schließlich in den Taschen irgendwelcher Touristen landen…

Und ich dachte: Ich will nicht so eine leere Hülle sein, keine Schale ohne Inhalt. Ich will mich nicht antriebslos umher treiben lassen, will nicht nur ein schöner Schein sein. Vielmehr:

Ich bin ein lebendiges Wesen mit kräftigem Herzschlag, eine Königstochter und unendlich geliebt, eine Gestalterin meines Weges, eine Anpackerin und Losgeherin, eine Trampelpfadmacherin. Ich bin stark und voller Ideen und Pläne, denn Gott hat mich gewollt und berufen für das echte Leben.

Ich habe viel Mut geschöpft an diesem Wochenende. Die Zeit für mich allein, in Ruhe und Kreativität, raus aus dem Gewohnten und der Komfortzone, hat mir sehr gut getan und ich bin sicher, dass ich davon eine Weile zehren werde. So gut ich konnte, habe ich meine Tanks gefüllt mit Luft und Wasser und Salz und Himmel und Schönheit, mit Farben und Worten und Liedern und Bildern.

Jetzt hat der Alltag mich wieder – es ging gleich los mit Abendterminen, einem kranken Kind und einem kompletten Tag allein mit den Kindern, aber noch zehre ich von diesem Wochenende und trage das Meer und den Wind in mir. Ich liebe ja meine Familie, meine Kinder so sehr, und möchte sie nicht in meiner zunehmenden Kraftlosigkeit als Last betrachten. Ja, ich glaube, das wünsche ich mir jetzt jedes Jahr zu Weihnachten! So eine gute Idee, so ein guter Start in ein neues Jahr! Ich bin sehr dankbar, dass mein Mann mir das ermöglicht hat.

Wann bist du das letzte Mal ganz alleine verreist? Hast du das überhaupt schon mal gemacht – oder gönnst du dir solche Zeiten regelmäßig? Erzähl doch mal unten, in den Kommentaren! Vielleicht hast du ja auch einen Tipp oder ein paar Ideen, wie man das gestalten kann, wohin du gerne fährst oder was Frau unbedingt mitnehmen sollte 🙂

Und falls du dir so eine Auszeit wünschst, falls du auch schon länger darüber nachdenkst, alleine wegzufahren: Tu es! Trau dich. Du findest bestimmt einen Weg für dich. Ich kann es nur von Herzen empfehlen.

Alles Liebe und weiterhin ein gutes Ankommen in diesem neuen Jahr!

deine Rebekka

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7 Kommentare

  • Lenka

    Liebe Rebekka, so schön, dass Du Dir diese kleine Auszeit nehmen konntest und Dein Mann Dir das ermöglicht hat. Mein Mann hat mir das auch geschenkt, als unser Jüngster 8 Monate alt war und danach ist es zu einer jahrelangen Tradition geworden. Meistens nur ein (verlängertes) Wochenende, wenn ich es nötig hatte, aber auch ein paar Tage mehr. Sobald ich das Haus verlassen hatte, konnte ich abschalten, wusste ich sie daheim doch in guten Händen und letztendlich hatten sie dann auch eine ganz tolle und besondere Zeit mit ihrem Papa.
    Ich fuhr gerne in ein christliches Gästehaus, wo ein Schwimmbad dabei war (da ich auch sehr gerne schwimme), aber auch eine kleine Stadt in der Nähe, ich bin damals gerne bummeln gegangen. Gelesen habe ich auch sehr gerne, aber das Gästehaus hatte eine große Buchhandlung, da konnte ich mich gleich neu eindecken. Ans Meer wäre ich viel lieber gefahren, aber das ist zu weit weg von uns.
    Inzwischen sind die Jungs groß, aber diese Auszeiten sind geblieben. Jetzt fahre ich lieber in die Stille (zB in ein Kloster) vor allem zum Jahresanfang um einen Jahresrückblick und auch Ausblick zu haben. Daheim nimmt einen der Alltag so gefangen und man ist von so vielen Dingen abgelenkt, dass ich es als einen ganz großen Schatz erlebe, sich diese Tage zu gönnen.
    Herzliche Grüße
    Lenka

    • rebekkasloveletter

      Liebe Lenka, hab vielen Dank für deine Worte und für deine Erfahrungen. Es ist so wertvoll, dass du diese Zeiten für dich alleine haben konntest und kannst. Stille Tage im Kloster wären tatsächlich auch eine Idee für mich… Alles Liebe und bis bald!

  • Angela

    So spannend zu lesen!
    Toll dass du es gewagt hast und beschenkt wurdest!
    Ich liebe auch das Meer und jede Art von Wasser! Leider sind wir in Süddeutschland von jedem Meer mindestens 8 Stunden entfernt.
    Allein verreist bin ich noch nie glaube ich.
    Sicher nicht in den letzten 10 Jahren als Mama. Bin mir auch nicht sicher ob das was für mich wäre.
    Letztes Jahr sehr spontan jemand begleitet für knapp 48 Stunden als Ersatz für eine kranke Freundin. Das in Ruhe essen habe ich sehr genossen und mich nicht kümmern müssen und einen neuen Ort entdecken. Ansonsten gingen aber unsere Vorstellungen sehr auseinander. Habe mich überreden lassen trotz großer Müdigkeit eine lange Wanderung mitzumachen. War zum Teil mega überfordert, zum Teil ganz schön. Insgesamt habe ich, typisch für mich, sehr darauf geachtet es meiner Begleiterin recht zu machen und dabei meine eigenen Wünsche ignoriert. Zum Teil natürlich unvermeidlich wenn man zu zweit ist. Dazu sind wir nicht mega eng befreundet.
    Insofern wäre es vielleicht doch mal eine Option alleine wegzufahren. Kunst anzuschauen und in ein schönes Café oder Restaurant zu gehen wären meine Wünsche. Vielleicht Tagebuch schreiben. Aber ich habe auch Angst dass ich einsam wäre oder eher schwierige Sachen hochkommen und es mir doch nicht so gut tut.
    Außerdem täte mir mein Mann ein bisschen leid, allein zuhause mit 5 Kindern. Glaub nicht dass er das genießen könnte. Letztes Mal brach sich jemand den Arm und es war schon stressig für ihn. Er würde es aber wieder machen.
    Mal schauen.
    Neues wagen wäre auch mein Wunsch aber da fehlt mir gerade die Kraft.
    Liebe Grüße und ein gesegnetes Jahr!
    Angela

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