5 Dinge vom Wochenende
Mit meinem Vorsatz, jeden Monat mindestens einen Blogpost zu veröffentlichen, bin ich leider schon im März gescheitert – da wollte ich nicht noch den April verstreichen lassen, bevor ich mich hier wieder blicken lasse. Gerade finde ich es gar nicht so einfach, etwas zu finden, worüber ich schreiben kann… ist nicht alles schon gesagt? Ich bin zögerlicher geworden, vorsichtiger, mit dem, was ich erzähle, erst recht hier, im großen, weiten Internet. Aber auch sonst fällt es mir teilweise schwerer, Worte zu finden. Ich mache mehr mit mir selber aus – ist das ein Zeichen von Altersweisheit, oder eher Altersstarrsinn?
Was auch immer es ist, woran auch immer es liegen mag: Diesen Blog möchte ich (noch) nicht begraben. Und ich sehe ja, dass ihr ganz treu hier vorbeischaut, also habt ihr mich anscheinand auch noch nicht aufgegeben. Deshalb kommt hier das, was immer geht, ein kleiner Einblick in meinen Alltag, genauer gesagt 5 Dinge vom Wochenende, eine viel zu wenig bespielte Kategorie hier auf meinem Blog.
Enjoy 🙂
1. Schulfrei
Glücklicherweise beginnt das Wochenende für mich immer schon am Freitag. Seit der Kur ziehe ich meinen Vorsatz, freitags nichts für die Schule zu tun, problemlos und ohne schlechtes Gewissen durch – und das tut mir wirklich gut.
Seit einigen Wochen weiß ich, dass ich im nächsten Schuljahr nicht mehr an meiner Schule sein werde. Da die Schülerzahlen in Willkommensklassen zurückgehen, werden bei uns im Bezirk mehrere Willkommensklassen geschlossen – und meine Dienste werden damit nicht mehr benötigt. Für mich war diese Nachricht vor allem eine Erleichterung. Schon lange habe ich mich gefragt, wie lange ich dieser extrem anstrengenden Aufgabe noch gerecht werden kann. Ich spüre eine große Erschöpfung und auch eine gewisse Freudlosigkeit, sodass es für mich der richtige Schritt ist, die Schule zu verlassen.
Es klingt vielleicht paradox, aber ich empfinde das Ende meines Vertrages als Versorgung von Gott. Er hat mir auf diese Weise eine Entscheidung abgenommen, die zu treffen ich (aus verschiedenen Gründen) nicht in der Lage war. Er hat gesehen, wie es mir geht, und sich darum gekümmert, dass es mir wieder besser gehen kann. Deshalb mache ich mir auch keine Sorgen, wie es weitergehen wird: Gott weiß es, und auf seine Versorgung vertraue ich. Ich bin sogar richtig gespannt, was er mit mir vorhat!
Mit der Aussicht darauf, bald nicht mehr an der Schule zu sein, hat sich mein Vorbereitungsaufwand nochmals reduziert, denn ich erstelle keine neuen Materialien mehr. Das hat mir zwar immer viel Spaß gemacht, aber auch Zeit gekostet, die ich nun anders nutzen kann.
Und so starte ich am Donnerstagabend jetzt immer ganz befreit ins Wochenende 🙂
2. Familienzeit und Kompromisse
Wochenende ist Familienzeit – nun ist es aufgrund des fortschreitenden Alters und des Altersunterschieds unserer Kinder gar nicht mehr so einfach, Aktivitäten zu finden, auf die alle Lust haben. Tradition ist aber Tradition, daran halten wir fest, und so lautete Samstag für Samstag die alles entscheidende Frage: Welchen Film schauen wir an? Und am Sonntagnachmittag versuchten wir verzweifelt, uns auf ein gemeinsames Spiel zu einigen, was uns selten bis gar nicht gelang.
Für beide Probleme haben wir inzwischen eine Lösung gefunden: Jede Woche darf reihum ein Familienmitglied den Film aussuchen, ein anderes Familienmitglied entscheidet über das Spiel. So bekommt jede:r von uns alle fünf Wochen einmal seinen bzw. ihren Willen. Und: Alle anderen müssen die Wahl akzeptieren und mitschauen bzw. mitspielen.
Da wir fünf Personen sind, viele Spiele aber maximal vier Spielende erlauben, bilden wir ggf. Teams – das ist auch deshalb gut, weil das jüngste Familienmitglied bei komplizierteren Strategiespielen anders gar nicht mitmachen könnte. Und wenn ein Film mal wirklich nicht für jüngere Kinder geeignet ist, darf der Kleinste zu einer anderen Zeit etwas Geeignetes schauen und ist beim Samstagsfilmabend einmal nicht dabei. Das funktioniert einigermaßen…
An diesem Wochenende habe ich ausnahmsweise den von unserem Mittleren ausgesuchten Film verpasst – warum, kannst du weiter unter lesen – das Spiel, das unsere Tochter auswählte, habe ich aber natürlich mitgespielt! 🙂
3. Listenliebe
Ich liebe Listen – sie machen die rasenden Gedanken in meinem Kopf sichtbar (und übersichtlich), und wenn ich dann noch Dinge von einer Liste streichen kann, fühle ich mich effizient, zufrieden und fast so, als hätte ich mein Leben im Griff!
Dieses Wochenende habe ich gleich mehrere Listen angelegt. Eine (sehr lange) Anti-Langweile-Liste für meine Kinder, die immer wieder nichts mit sich anzufangen wissen, eine schöne Aktivitäten-Liste für meine große Tochter und mich, eine “immerwährende To-Do-Liste” mit Aufgaben, die irgendwie immer aktuell sind, nur für mich, und eine Familien-Speisekarte für unsere Essensplanung – diese Idee habe ich neulich auf Instagram entdeckt, und fand sie sowohl praktisch als auch hübsch.
Und weil Listen sich sehr gut teilen lassen (ein weiterer Vorteil!), kommt hier eine kleine Inspiration für dich:
Anti-Langeweile-Liste:
- etwas backen/kochen, einen besonderen Snack zubereiten
- mit Kreide auf die Straße malen, z.B. einen coolen Parcours
- das Zimmer umgestalten, andere Poster aufhängen etc
- jemandem heimlich eine Freude/ein Geschenk machen
- Online-Kreativ-Kurs machen
- Sport/ ein Workout machen
- ein Brett- oder Kartenspiel spielen, das wir länger nicht gespielt haben
- Fotobücher anschauen
- Sachen aussortieren zum Verschenken oder Verkaufen
- Murmelbahn aus Alltagsgegenständen bauen
- gemeinsam Hörspiel anhören, dazu malen
- Briefe oder Postkarten schreiben und verschicken
- Tagebuch schreiben
- Lego-Kunstwerk bauen
- einen kleinen Film drehen
- Stricken lernen
- Origami falten
- etwas reparieren/flicken/nähen
- eine Folge einer Serie auf Englisch gucken
- jemandem etwas vorlesen
- eine Geheimschrift lernen oder selbst erfinden
- Zaubertrick lernen und vorführen
- Stadt-Land-Fluss mit eigenen Kategorien spielen
- töpfern/kneten
- jemandem helfen, eine Aufgabe für jemanden übernehmen
- Entspannungsübung machen (z.B. nach Jacobson)
- Geld für eine gute Sache spenden (vorher recherchieren)
- sich verkleiden
- puzzeln
- ein eigenes Spiel erfinden
- einen Comic zeichnen
- Lego-Set auseinandernehmen und wieder neu aufbauen
- eine Fotostory ausdenken und fotografieren
- Malen nach Zahlen
- gärtnern
- eine Geschichte schreiben
- ein Picknick an einem ungewöhnlichen Ort veranstalten
- Hunde- oder Katzensitterin werden
- Smoothie-Wettbewerb veranstalten
- jonglieren lernen
- Seilspringen
- tanzen
- Kleiderschrank ausmisten
- einen neuen Spielplatz erkunden
- eine Collage kleben
- Papierflieger basteln
- eine Höhle bauen
- Vogellaute erkennen lernen
- ein Kaspertheaterstück ausdenken und aufführen
- Songtext übersetzen
- kooperatives Malen auf einem großen Blatt
- eine Schnitzeljagd ausdenken
- Brief an dein zukünftiges Ich schreiben
- ein Ausflugsziel recherchieren und den Ausflug planen
- …
Liste für Mama-Tochter-Aktionen:
- zusammen kochen/backen
- shoppen (Kleidung, Kosmetik…)
- gemeinsames Workout im Wohnzimmer
- Kino
- Bücherei
- Café
- Konzert
- gemeinsamer Kreativ-Kurs (online oder in real life)
- etwas Neues lernen, z.B. Stricken
- Filmabend
- Beauty-Abend
- Ausstellung besuchen
- Collage basteln
- Frisur- oder Schmink-Tutorial umsetzen
- Fotoalben anschauen oder gemeinsam gestalten
- lustige Fotos machen (Fotoautomat)
- Lego-Set aufbauen
- Mutter-Tochter-Buch ausfüllen
- Pediküre/Maniküre
- neuen Ort erkunden
- Schmuck basteln
- Geschenk oder Überraschung für jemanden gestalten
- Karaoke
- …
Immerwährende To-Do-Liste:
- Fotos auf dem Handy sortieren, übertragen, auswählen fürs Fotoalbum, bestellen…
- Nachrichten/Mails beantworten
- backen für den Nachmittag
- Blog-Ideen
- …
4. Über den Tellerrand: Meine erste Taizé-Andacht
Am Freitag fragte mich eine Freundin, ob ich nicht Lust hätte, sie am Samstagabend zu einer Taizé-Andacht in der Rosenkranz-Basilika zu begleiten. Eigentlich ist Samstags immer Filmabend angesagt (siehe oben…), aber meine Familie gab mir frei, und so fuhr ich bei strahlendem Sonnenschein nach Steglitz. Ein bisschen aufgeregt war ich schon, denn ich habe bisher erst an einem einzigen katholischen Gottesdienst teilgenommen und wollte nichts falsch machen, aber vor allem freute ich mich auf Zeit mit meiner Freundin, auf Singen und Rauskommen aus dem Trubel.
Dass die Taizé-Andacht in einer katholischen Kirche stattfand, spielte tatsächlich gar keine so große Rolle. Hauptsächlich wurden Lieder gesungen, von denen ich zwei sogar kannte; dazwischen gab es Textlesungen, Gebete und einen Augenblick der Stille – lauter vertraute Elemente.
Es hat eine besondere Wirkung, ein- und denselben kurzen Text immer und immer wieder zu singen, ihn mehrere Male zu wiederholen, ihn singend zu meditieren. So kann es kaum passieren, achtlos über den Inhalt hinwegzugehen – im Gegenteil: Durch die Wiederholung sinkt die gesungene Wahrheit immer tiefer ins Herz und kann etwas in uns verändern. Mich hat vor allem das letzte Lied bewegt: “Christus, dein Licht, verklärt unsere Schatten, lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht. Christus, dein Licht, erstrahlt auf der Erde, und du sagst uns: Auch ihr seid das Licht.“
Es kann so leicht passieren, dass es dunkel in uns wird, dass schlechte Nachrichten und negative Gedanken uns überwältigen, dass wir uns hilflos und hoffnungslos fühlen. Aber Jesus ist unser Licht, unsere Zuversicht, und wenn Er in uns leuchtet, strahlen wir das auch aus.
5. Doppelte Bibliotheks-Liebe
Zu den Dingen, die ich in den letzten Monaten als Lehrerin an der Schule noch auskosten möchte, gehört mein kostenloser Bibliotheksausweis – und so war ich am Freitagabend noch kurz vor Schließung der Bücherei mit meiner großen Tochter dort (quality time!), um ausgelesene Bücher zurückzubringen und natürlich neuen Lesestoff mit nach Hause zu nehmen! Dieses Mal habe ich mich für zwei Biographien entschieden: Eine über die schwedische Künstlerin Hilma af Klint, von der ich vor Kurzem zum ersten Mal gehört habe, und eine über Karl May, dessen Bücher mich in meiner Kindheit ein Stück begleitet haben. Wie toll, dass es Bücher gibt, und die Möglichkeit, sie lesen zu können, ohne sie gleich kaufen zu müssen 🙂
♥
Um eine etwas andere Art der Bibliotheksliebe ging es am Sonntag in unserem Gottesdienst: Wir waren alle eingeladen, unsere Lieblingsbibeln mitzubringen und einander vorzustellen. Ich brachte meine am meisten gezerlesene Bibel mit, die ich als Kind bei einem Luftballonwettbewerb gewonnen habe, und in der unendlich viele Unterstreichungen und Anmerkungen zu finden sind.
Die Bibel ist ja tatsächlich eine Bibliothek für sich, sehr faszinierend! Ich hege eine große Liebe für diese wilde Sammlung, und diese Liebe wird gerade wieder stärker, wo ich mir vorgenommen habe, alle 66 Bücher innerhalb des Jahres zu lesen. Unsere Gemeinde hat sich für 2026 passenderweise ebenfalls die “Lust an der Bibel” auf die Fahne geschrieben, und so ging es auch in der Predigt um die Bibel und was sie für uns bedeutet.
Wir haben heute den barrierefreisten Zugang zur Bibel, den es jemals in der Geschichte gab – abgesehen von tausenden verschiedenen Übersetzungen in fast alle Sprachen der Welt gibt es die Bibel inzwischen auch als App, als Hörbuch und Podcast. Dieses Privileg war zu anderen Zeiten undenkbar; da war der Besitz einer Bibel wenigen Menschen und Institutionen vorbehalten, und wenn am Sonntag aus der Bibel vorgelesen wurde, geschah dies auf Latein – einer Sprache, die der Großteil der Bevölkerung gar nicht beherrschte.
Ich wusste das alles schon vorher, natürlich, aber manchmal klickt es nochmal anders – stell dir vor, du hättest die Bibel nicht…
Zu Hause wollte ich genau wissen, wie viele Bibeln ich habe, und kam auf 12 Exemplare in vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Ungarisch und Maa)! Hinzu kommen noch die Bibeln, die meinem Mann und den Kindern gehören – was für ein Schatz.
Und sonst noch…
Und natürlich war das Wochenende auch gut gefüllt mit Sonnenschein, Wohnungsputz, Kinderstreitereien, einem medizinischen Notfall, Fahrradfahren, Tischtennisspielen, Blumenglück, leckerem Spargel, Geschwisterplüsch, Planung der kommenden Woche, PMS-Frust, Workouts…
Das ganz normale Leben eben. Durch diesen Blogbeitrag kommt mir das alles aber gleich viel wichtiger vor 🙂
Für den Start in die neue Woche wünsche ich dir und mir ganz viel Licht im Herzen – das Dunkel hat keine Macht über uns!
Sei gesegnet und lass den Segen überfließen!
♥
deine Rebekka















