40 werden – Gedanken zu Psalm 40
Ende August bin ich 40 Jahre alt geworden – und obwohl ich gerade oft das Gefühl habe, dass die 40 auch nur eine Zahl ist, empfinde ich das vollendete 4. Jahrzehnt doch auch als Zäsur, als Gelegenheit, innezuhalten und zurückzublicken. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Facetten entdecke ich an der 40, und deshalb habe ich mich entschieden, eine kleine Blogreihe dazu zu machen – drei unterschiedliche Beiträge zur 40. Dieses hier ist (offensichtlich) der erste 🙂
Mein Großvater hat die schöne Tradition geprägt, uns bei seinem Geburtstagsanruf immer mit ausgewählten Versen aus dem passenden Psalm zum neuen Lebensjahr zu grüßen. Diese Idee greife ich selbst immer wieder gerne auf, wenn ich Geburtstagskarten schreibe, und auch zu meinen eigenen Geburtstagen schlage ich jedes Jahr in den Psalmen nach, was “mein Geburtstagspsalm” mir zu sagen hat. Und mit Psalm 40 habe ich es richtig gut getroffen! Da steckt so viel drin – so viel selbst erlebtes, so viel “Amen!”, so viel Wahrheit und Dankbarkeit und Hoffnung.
Deshalb ist der 1. Blogpost zur 40 eine persönliche Betrachtung des 40. Psalms, einem Lied Davids. Lass uns gemeinsam entdecken, was alles darin steckt!
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Ganz fest hoffte ich auf den Herrn!
Da hat er sich zu mir herabgebeugt und meinen Hilfeschrei gehört.
Er zog mich aus der todbringenden Zisterne, aus dem ganzen Schlamm und Dreck. Er stellte meine Füße auf einen Felsen und gab meinen Tritten festen Halt.
Ein neues Lied hat er mir in den Mund gelegt: einen Lobgesang für unseren Gott.
Viele sollen es sehen und Ehrfurcht empfinden. So werden sie zum Herrn Vertrauen fassen.
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Den “Schlammassel”, den David hier im Psalm besingt, kenne ich aus meinem Leben wohl nur in der light Version. Wenn ich auf die vergangenen 40 Jahre zurückblicke, sehe ich sehr viel Bewahrung und Schutz – ich bin verschont geblieben, bisher, von großem Leid.
Probleme und Schwierigkeiten kenne ich natürlich trotzdem, und manchmal hatte ich auch das Gefühl, im Schlamm zu versinken – ich habe oft zu Gott um Hilfe gerufen, im Kleinen wie im Großen.
Und ja: Er hat mich erhört, Er hat mich errettet, immer wieder. Bisher ist immer alles wieder gut geworden, manchmal genau so, wie von mir erbeten, manchmal auch ganz anders, aber Er hat sich immer als gut erwiesen. Mein Vertrauen wurde nicht enttäuscht.
Wenn ich auf meine vier Lebensjahrzehnte zurückschaue, hat sich das Gottvertrauen durchgezogen wie ein roter Faden. Ich durfte es an meinen Eltern und Großeltern sehen und miterleben; sie haben es uns vorgemacht – und so ist es meine Hoffnung und mein Gebet, dass meine Kinder es auch an meinem Vorbild sehen.
Und nicht nur meine Kinder: Alle, die mich kennen, sollen wissen, dass ich auf den Herrn vertraue. Denn so werden auch sie “zum Herrn Vertrauen fassen” können, wie es im Psalm heißt. Jede und jeder darf und muss eigene Erfahrungen mit Gott machen – wir können nicht stellvertretend für andere glauben. Aber Vorbilder sind eine wichtige Hilfe, ein Wegweiser, eine Erinnerung.
Darin versage ich immer wieder. Schweige, wenn ich eigentlich sprechen sollte. Druckse herum, winde mich heraus, finde mehrdeutige Formulierungen, wo es doch für mich eigentlich so klar ist: Ich vertraue auf Gott. Und damit bin ich bisher mehr als gut gefahren!
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Glücklich zu preisen ist der Mensch, der sein Vertrauen auf den Herrn setzt.
Er lässt sich nicht ein mit unbeherrschten Leuten und mit denen, die sich in Lügen verstricken.
Vieles hast du für uns getan, Herr, mein Gott, wunderbar sind deine Werke und Pläne. Nichts kommt dir gleich!
Wollte ich davon reden und berichten – es sind zu viele, um sie alle aufzuzählen!
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Als ich etwa 14 Jahre alt war, bat ich Gott im Gebet, mir ein “interessantes Leben” zu schenken – es sollte auf keinen Fall, “langweilig oder normal” sein, und es sollte ein Leben zu Gottes Ehre sein.
Wenn ich zurückblicke auf alles, was war, kann ich nur feststellen, dass Gott Humor hat und Gebete erhört: Über Langeweile kann ich mich jedenfalls nicht beschweren! So vieles durfte ich schon erleben – ich habe an verschiedenen Orten in Deutschland und sogar der Welt gewohnt, durfte zweimal für mehrere Monate im Ausland leben, ich habe so viele unterschiedliche Menschen kennengelernt und verfüge heute über ein sehr großes Netzwerk, ich durfte studieren und meinen Horizont erweitern, ich habe meine Jugendliebe geheiratet, drei Schwangerschaften und Geburten überstanden und darf die Mama meiner großartigen Kinder sein, ich habe mich beruflich auf sehr unterschiedliche Art und Weise ausprobiert und immer wieder einen neuen Weg einschlagen können, in diversen Ehrenämtern brachte ich meine Gaben ein und lernte so viel Neues dabei, ich habe diesen Blog als mein Fenster zur Welt…
Es ist ein buntes, ein reiches Leben, das Gott mir geschenkt hat und immer noch schenkt – eines, das die 14-jährige Rebekka sich (bei aller Fantasie) in der Art nicht hätte ausmalen können!
Im Rückblick ist es natürlich viel einfacher, all das zu sehen und Gottes Handschrift darin zu erkennen. Während ich mitten drin steckte in der Gründung meiner Selbstständigkeit, im Kinderwunsch, in der unendlich herausfordernden Anfangsphase als Willkommenslehrerin, fiel es mir immer wieder auch schwer, auf Gottes guten Plan zu vertrauen. Auch jetzt, wo ich mich (wieder einmal) beruflich neu orientiere, schwanke ich zwischen Verzagtheit und Zuversicht. Doch dann darf ich mich immer wieder auch selbst daran erinnern: Gott hat so vieles für uns getan – Er hat wunderbare Werke und Pläne. Du wirst schon sehen!
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Opfer und Gaben wolltest du nicht. Das hast du mir hinter die Ohren geschrieben. Brandopfer und Sündopfer forderst du nicht.
Ich sagte: “Siehe, ich komme mit einer Schriftrolle. Hier steht geschrieben, was ich tun soll.”
Gerne will ich deinem Willen folgen, mein Gott. Deine Weisungen trage ich in meinem Inneren.
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Ach ja, so eine “Schriftrolle” mit ganz genauen Anweisungen hätte ich gerne – einen Brief von Gott im Briefkasten, in dem detailliert beschrieben ist, was ich wann und wie in der nächsten Zeit angehen soll. Es wäre für Ihn nicht unmöglich, mir ein solches Schreiben zukommen zu lassen… normalerweise funktioniert es mit der Nachfolge aber nicht so.
Wahrscheinlich weiß ich schon lange genug darüber, was Gott von mir möchte, nämlich genau das, was Er von uns allen will: “Es wurde dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir erwartet: das Rechte tun, Nachsicht mit anderen haben und bewusst den Weg mit deinem Gott gehen.” (Micha 6,8) oder auch: “Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken. Und liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.” (Lukas 10,27) Damit hat man/frau ja schon reichlich zu tun!
Ich habe einmal irgendwo gelesen, dass meine Aufgabe “nur” darin besteht, bereit und willig zu sein, Gottes Willen zu tun und auf seinem Weg zu gehen – dagegen ist es Gottes Aufgabe, mir auch klar begreiflich zu machen, was sein Wille ist. Er ist es, der mich lenkt und führt, wenn ich offen dafür bin. Das geht aber am besten aus der Bewegung heraus – ein stehendes Auto lenkt sich so schwer…
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Gerechtigkeit verkünde ich in der Festversammlung. Siehe, ich halte meine Lippen nicht geschlossen. Das weißt du, Herr!
Aus deiner Gerechtigkeit mache ich kein Geheimnis. Ich spreche offen über deine Treue und Hilfe.
In der Festversammlung habe ich nichts verschwiegen von deiner Güte und Zuverlässigkeit.
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Als kleines Kind fiel es mir (laut Berichten meiner Eltern) überhaupt nicht schwer, mit Menschen über Gott ins Gespräch zu kommen – wenn Handwerker im Haus waren, erzählte ich ihnen wohl gerne Bibelgeschichten…
Diese Zeiten haben sich ein bisschen geändert. Wenn es mir in der Gemeinde auch nicht schwer fällt, “Zeugnis abzugeben”, finde ich das in anderen Kontexten schon unangenehmer. Vielleicht ist das auch in Ordnung – David spricht hier ja explizit von der “Festversammlung”, von der Gemeinschaft von Gläubigen. Hier von den Taten Gottes zu sprechen, soll Seine Ehre vermehren und gleichzeitig den Glauben und das Vertrauen der anderen stärken.
Wenn ich mit Menschen spreche, die (noch) nichts mit Gott am Hut haben, sieht es anders aus – wobei ich mir da durchaus mehr Mut und Offenherzigkeit wünsche, über meine Erfahrungen zu berichten.
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Du, Herr, wirst mir dein Mitleid nicht verweigern. Deine Güte und deine Zuverlässigkeit sollen mich ständig bewahren. Denn nichts als Unheil umgab mich. Ich kann gar nicht alles aufzählen. Meine eigenen Vergehen holten mich ein. Da habe ich den Überblick verloren. Es waren mehr als die Haare auf meinem Kopf. Da verließ mich der Mut.
Hab doch Gefallen daran, Herr, mich zu retten! Herr, komm mir schnell zur Hilfe! In Grund und Boden sollen sich alle schämen, die mich zur Strecke bringen wollen. Ja, mein Leben wollen sie vernichten. Rot vor Scham sollen zurückweichen, die sich über mein Unglück freuen! Sie sollen erschrecken über ihre Schande. Höhnisch riefen sie mir zu: Haha! Haha!
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Über die schwierigen, sperrigen Stellen in der Bibel lese ich gerne mal hinweg. Ich möchte nicht mit meiner eigenen Schuld konfrontiert werden, will nicht an unangenehme Menschen erinnert werden und mich auch nicht an meinen “Feinden” rächen… Ehrlich gesagt, war ich versucht, diese Verse hier einfach wegzulassen.
Weil sie nicht so “schön” sind, sich nicht gut anfühlen – und wer würde sich diese Verse als illustriertes Lettering oder Poster an die Wand hängen? Wer hat solche Bibelverse in seinem Insta-Status stehen?
Und doch drücken sie ja einen Teil der menschlichen Erfahrung aus, um den wir nicht herumkommen. Wir alle haben (wenn auch nur gelegentlich, hoffentlich) mit Menschen zu tun, die uns nicht wohlgesonnen sind, die uns vielleicht sogar bewusst schaden möchten, die an uns schuldig werden. Ich bin dankbar, dass ich auch in dieser Hinsicht sehr bewahrt geblieben bin und ich keine “Feinde” im engeren Sinne habe. Vielleicht können wir diese Verse aber auch etwas weiter fassen, und schädliche Gedanken oder Gewohnheiten, negative Glaubenssätze und auch psychische Krankheiten (?) unter “Feinden” verstehen – alles das, was uns die Freude am Leben raubt, was uns behindert und straucheln lässt. Da ist mindestens der eine Feind, der die Lüge sät und sich darüber freut, wenn wir in seine Fallen tappen.
Und dann gibt es da auch noch die eigene Schuld – die Situationen, in denen ich anderen zur Feindin werde, in denen ich schadenfroh bin, missgünstig, ungeduldig, herablassend, feige, egoistisch…
In meinen Teenagerjahren war ich sehr sensibel für meine Verfehlungen; an vielen Tagen hatte ich das Gefühl, permanent zu versagen und an allen und jedem schuldig zu werden. Mit den Jahren änderte sich das – mein Gewissen schlägt zwar immer noch regelmäßig an und ich bitte (zurecht) um Entschuldigung, ich gehe aber deutlich gnädiger mit mir selbst um. Oder hat das gar nicht so viel mit echter Gnade zu tun – als vielmehr mit Bequemlichkeit, Gewöhnung und (mehr oder weniger) überzeugenden Ausflüchten?
Ich möchte auch in dieser Hinsicht treu mit Gott gehen und merken, wenn ich schuldig werde, damit ich es vor Ihn und damit in Ordnung bringen kann.
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Doch alle, die dich wirklich suchen, sollen jubeln und sich freuen über dich.
Und die sich nach deiner Hilfe sehnen, sollen immer wieder sagen: Groß ist der Herr!
Ich aber bin niedrig und arm. Doch mein Herr wird für mich sorgen.
Du bist meine Hilfe und mein Retter!
Mein Gott, zögere nicht!
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Aktuell bin ich offiziell arbeitslos – oder besser: erwerbslos, den Begriff finde ich passender. In gewisser Weise also “niedrig und arm” – ohne klare Position in der Gesellschaft, ohne einen steuerlichen Beitrag zu leisten, mit reduzierten finanziellen Mitteln. Meistens tangiert mich das nicht besonders, denn ich weiß, dass ich auch ohne Erwerbstätigkeit einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft leiste – und im übrigen auch dann unendlich wertvoll bin, wenn ich gar nichts “leisten” kann!
In bestimmten Situationen können meine aktuellen Lebensumstände aber doch als “Makel” wahrgenommen werden. Wie gut, dass ich nicht von den Meinungen und Wertungen anderer abhängig bin – dass nicht einmal mein eigenes Denken über mich wirklich zählt! Und wie gut zu wissen, dass mein Gott für mich sorgt! Er hat es immer getan – warum sollte er ausgerechnet jetzt damit aufhören? Er hat ja gerade ein Herz für die Niedrigen und Armen…
Ich liebe die unerschütterliche Zuversicht, die aus Davids Worten spricht: “Und die sich nach deiner Hilfe sehnen, sollen immer wieder sagen: Groß ist der Herr!” Für ihn ist es vollkommen klar, dass Gott eingreifen und für seine Hilfe zu preisen sein wird – jede Schwierigkeit ist für Ihn nur eine willkommene Gelegenheit, Seine Größe unter Beweis zu stellen. Es sind zwei Seiten einer Medaille, untrennbar miteinander verbunden: Ich sehne mich nach Hilfe – ich werde Gott preisen. Wie genial!
Dass Psalm 40 in der (hier zitierten) BasisBibel mit “Herausgezogen aus dem Schlamm” überschrieben ist, finde ich interessant. Ich habe mal nachgeschaut, was andere Bibelübersetzungen sich überlegt haben: Bei Luther 2017 steht “Dank, Klage und Rettung” als Überschrift, in der Hoffnung für alle “Echter Gottesdienst”; die Volxbibel titelt “Gott haut einen raus” und die Gute Nachricht Bibel 2018 “Dank und Gelöbnis”.
Spannend, worauf jeweils der Fokus gelegt wird! Das wird für jeden Menschen, der diese etwa 3000 Jahre alten Worte Davids liest, etwas anderes sein – je nach Lebensphase und Situation spricht uns etwas anderes an. Das macht für mich die Bibellektüre auch so spannend und lebendig: Gott spricht, jetzt und hier, in mein Leben hinein!
Für mich steht im Moment das Vertrauen im Zentrum von Psalm 40. Ein Vertrauen, das auf echten Erlebnissen und Erfahrungen mit unserem treuen Gott beruht, ein Vertrauen, zu dem immer wieder neu ermutigt wird, ein Vertrauen, das – wenn es bezeugt wird – auch Auswirkungen auf die Menschen in meinem Umfeld haben kann.
Deshalb würde ich Psalm 40 heute so überschreiben: “Was wirklich trägt: Du darfst Gott vertrauen!”
Aber bestimmt fällt dir auch etwas dazu ein – welche Überschrift findest du für Psalm 40 am passendsten? Teil deine Idee gern mit uns in den Kommentaren!
(Eigentlich eine tolle Herangehensweise an biblische Texte: eigene Überschriften finden…)
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Das waren meine Gedanken zu meinem diesjährigen Geburtstagspsalm 🙂 Schön, dass du bis hierher dabei geblieben bist – schön, dass du da bist!
Liebe Grüße und bis ganz bald mit Teil 2 zum 40 werden!
deine Rebekka
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