Schule adé, Scheiden tut weh…
Bisher habe ich jedes Jahr auf die Sommerferien hingefiebert, die Tage gezählt bis zu den Zeugnissen und den erlösenden Moment, an dem ich das Schulgelände verlassen und alle Last von mir abfallen konnte. Nicht so in diesem Jahr. Denn mit den Sommerferien rückte auch mein letzter Arbeitstag an der Schule und der Abschied von vielen liebgewonnenen Menschen unweigerlich immer näher.
Die Nachricht, dass ich wegen Sparmaßnahmen leider keinen neuen Vertrag als Willkommenslehrkraft an „meiner“ Grundschule bekommen würde, nahm ich zunächst voller Erleichterung auf. Für mich war das eine Art Gottesurteil – Er hatte entschieden, mein ständiges Hin- und Herschwanken zwischen Bleiben und Gehen endgültig geklärt. Das Wissen, nicht mehr lange an der Schule zu bleiben, half mir, herausfordernde Situationen besser zu ertragen: Bald hast du es geschafft! Dann musst du dich damit nicht mehr herumärgern…
Je näher aber die Ferien rückten, desto mehr wich die ursprüngliche Erleichterung und machte einer tiefen Traurigkeit Platz. Nicht nur wurde ich mit einer super entspannten Lerngruppe gesegnet, die vergleichsweise homogen und wirklich zuckersüß war – auch das Kollegium machte mir den Abschied alles andere als leicht. Als die Nachricht von meinem endgültigen Vertragsende die Runde machte, reagierten die meisten darauf mit echtem Bedauern, Unverständnis und Schock. Mir wurde unglaublich viel Wertschätzung für meine Arbeit entgegengebracht, und nicht nur das, ich durfte erleben, wie sehr ich als Mensch, als ich, gemocht und geschätzt wurde! Jedes Wort und jede Geste waren wie ein heilsames Pflaster auf meiner langgehegten Wunde – die tiefe Überzeugung, dass man mich nicht mögen kann…
Es gab lauter letzte Male: die letzten Bundesjugendspiele, die letzte DB (Dienstbesprechung), der letzte Kampf mit den furchtbaren Lernstandsbericht-PDFs, das letzte Mal Pausenaufsicht, der letzte Besuch meines kleinen Sohnes in der Schule, das letzte Mal Küchendienst (den aber hauptsächlich ein mir unbekannter Engel für mich übernahm – DANKE!), der letzte Ausflug mit meiner Klasse und meiner Kollegin, das letzte Mal mit dem Fahrrad an den Pferden vorbei zur Schule radeln – nur dieses Mal mit Tränen in den Augen.
Auch wenn die vergangenen drei Jahre die wohl härtesten meines Lebens waren, auch wenn ich oft nicht mehr weiterwusste, wenn ich mich total überfordert und manchmal auch fehl am Platz fühlte – es gab so viel Gutes! Sonst hätte ich den Job ja auch nicht drei Jahre lang gemacht.
Da war zum einen das tolle Team an der Schule, die vielen wunderbaren Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte. Ohne sie alle hätte ich das nie geschafft. Das Kollegium war und ist für mich das größte Geschenk und ich bin unendlich dankbar dafür. Auch wenn die Aufgabe teilweise wirklich zu heftig war – dank meiner Kolleginnen und Kollegen hatte ich jeden Tag etwas, auf das ich mich freuen konnte, jeden Tag gute Begegnungen voller Ermutigung, Verständnis und Annahme.
Und es gab auch noch so viel anderes, das ich schätzen lernen durfte: Ich habe meinen Weg zur Arbeit geliebt, der mich an Pferden und so viel Stadtnatur vorbeiführte. Die Arbeitszeiten passten gut zu unserem Familienleben, vor allem natürlich da ich in den Ferien zu Hause sein konnte. Ich konnte meine Gaben und Talente einbringen, kreativ und selbstständig arbeiten, meinen Klassenraum einrichten, Arbeitsmaterialien entwerfen und erstellen, mir schöne Aktionen für die Kinder überlegen, ganz viel mit ihnen malen und basteln – das hat mir immer viel Spaß gemacht!
Für mich stand auch immer fest, dass meine Arbeit sinnvoll und wichtig war: Ich durfte Kinder in der Schule willkommen heißen, die aus ganz unterschiedlichen Ecken der Welt zu uns nach Deutschland gekommen sind – ich durfte ihre erste (teilweise auch 2. oder 3.) Station sein, ihr Anker, ihr sicherer Hafen in einer Lebensphase voller Umbrüche, Verluste und Schmerz. Was das für Kinderseelen bedeutet, habe ich selbst erst mit der Zeit verstanden. Es ist sehr, sehr hart. Wir haben viel Kinderleid erlebt, als Lehrkräfte in der WK, viel Schweres gesehen und gehört, und viel konnten wir wohl nicht ausrichten, aber was wir tun konnten, haben wir getan.
Es klingt wie eine Floskel, wenn ich schreibe, dass die Kinder einem ja „so viel zurückgeben“ – aber so ist es tatsächlich. Das Vertrauen und die Liebe, die meine Schülerinnen und Schüler mir entgegengebrachten, haben mich immer wieder demütig gemacht und mir geholfen, durchzuhalten. All die Namen und Gesichter und Schicksale, die ich in drei Jahren kennenlernen und begleiten durfte, haben mich verändert und werden mich weiter beschäftigen.♥
Ja, die Aufgabe an der Schule hat mir einen Sinn gegeben, auch ein Stück Identität. Diese fällt nun weg, diese eine Rolle, die ich mit ganzem Herzen und mit sehr viel Zeit und Kraft ausgefüllt habe – und ich frage mich, was bleibt. Wer bin ich noch, ohne diese Arbeit, ohne das Team, ohne diesen Sinn?
Und: Was kommt als nächstes? Auch diese Frage wurde immer lauter, je näher der Abschied kam. Nicht nur dass ich sie mir selbst stellte – sie wurde mir auch sehr oft von anderen gestellt. Zuerst machte mir das nichts aus, das Nicht-Wissen fühlte sich nach Freiheit an, nach einer großen Weite, die vor mir liegt, eine weiße Leinwand, die ich nun komplett gestalten kann.
Ganz so schön und unkompliziert ist es aber doch nicht. Das Vertrauen, das ich zunächst noch sehr stark spürte, schwand im Angesicht von Bürokratie, Kontostand und Arbeitsamtkorrespondenz. So sehr ich daran glaube, dass mein Leben in Gottes Hand liegt, dass Er mich versorgt und weiß, was am besten für mich ist – sobald ich mich auf der Seite der Arbeitsagentur einlogge, ist es mit der inneren Ruhe vorbei (Hallo, Herzrasen und Schweißhände)!
Dabei möchte ich doch erst einmal herausfinden, was ich selbst möchte, was Gott von mir will, was für meine Familie das Beste ist. Ich möchte die Sommerferien, die ich mir durchaus verdient habe (!!!), genießen und zur Ruhe kommen nach all dem Stress der letzten Jahre. Ohne dass mir irgendjemand in den Nacken atmet und mir Druck macht. Dankeschön!
Denn an Ideen mangelt es mir nicht. Da schwirrt so einiges in meinem Kopf herum, unter anderem auch der Gedanke, es doch nochmal mit einem kreativen Business zu versuchen. Ich bin so gespannt, was Gott tun wird, welche Türen sich öffnen, und wann! Es ist – wieder einmal – eine wunderbare Gelegenheit, das praktisch zu leben, was ich theoretisch glaube: Im Vertrauen auf Gott mutig weiterzugehen, in gewisser Weise aus dem Boot zu steigen und meinen Blick auf Jesus gerichtet zu lassen, während um mich herum der Wind braust und die Wellen toben.
Mein Klassenzimmer ist aufgeräumt – den Großteil meiner Materialien habe ich für meine Nachfolgerin dagelassen. Die Schulsachen, die ich zu Hause hatte, sind in einer Kiste verstaut im Keller. Wahrscheinlich werde ich sie nie wieder brauchen, aber wer weiß? Ein Kapitel geht zu Ende, aber so richtig möchte ich gar nicht, dass die Seite umgeblättert wird. Noch halte ich daran fest, an den Erinnerungen, an all dem Schönen (ein bisschen Verklärung ist sicher auch dabei) – auch deshalb habe ich wohl die Abschiedsgeschenke auf einem Tischchen arrangiert, um sie mehrmals am Tag zu bewundern…
Es ist gut, dass jetzt erst einmal Sommerferien sind und ich Abstand gewinnen kann. Es wird ein bisschen Zeit brauchen, bis ich so richtig mit meiner Aufgabe und meinem Alltag an der Schule abschließen und frei sein kann für etwas Neues. Dabei hoffe ich sehr, dass so manche Verbindung mich noch weiter begleitet, dass Freundschaften bestehen bleiben, die in drei Jahren wachsen durften. ♥
Dass der Abschied mir so schwer fallen würde, hätte ich nicht gedacht. Es sind tatsächlich Tränen geflossen. Wie schön eigentlich, wenn es so ist – oder? Das bedeutet doch nur, dass da ganz viel Gutes war, ganz viel Liebe und Segen. Zu wissen, dass da Menschen sind, die ich vermisse und die mich vermissen werden – was für ein Geschenk.
Als ich zum letzten Mal von der Schule nach Hause fuhr, war mein Fahrrad nicht nur voll beladen mit Abschiedsgeschenken – ich nahm noch so viel mehr mit, einen wahren Schatz an Erfahrungen und Begegnungen, an Erinnerungen, Herzmomenten, Bewunderungen und Freundschaften.
Damit bin ich mehr als gut gerüstet für alles, was auf mich zukommen mag.
Danke! ♥♥♥
Tja, und wie es weitergeht, erfährst du wahrscheinlich hier, irgendwann – jetzt sind ja erst einmal Sommerferien!
Hab eine gesegnete, behütete, wunderbare Zeit!
deine Rebekka
PS: Ich habe die Freebie-Bibliothek aufgeräumt und Unterkategorien angelegt, sodass einzelne Freebies hoffentlich leichter gefunden werden können. Ganz besonders empfehle ich natürlich das Ferientagebuch für Kinder 🙂 Viel Spaß beim Stöbern und Benutzen! ♥























