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Meine Lehrerin Kinderwunsch

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Schon länger habe ich nicht mehr über meinen dritten Kinderwunsch geschrieben – das heißt aber nicht, dass ich das Thema für mich abgehakt habe. Ich bin auf diesem Weg nach wie vor unterwegs, aber ganz anders als das noch vor einem Jahr oder ein paar Monaten der Fall war. Davon möchte ich euch gerne erzählen.

Vorneweg ist mir wichtig zu sagen, dass dieser Text meine eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen wiedergibt und ich niemandem meine Perspektive überstülpen möchte – jede von uns geht ihren eigenen Weg, hat ihren eigenen Schmerz und ihre eigenen Erkenntnisse. Gleichzeitig hoffe ich natürlich, euch ermutigen und stärken zu können!

Im September bekam ich das erste Mal seit zu dem Zeitpunkt drei Jahren meine Periode, ohne darüber in Verzweiflung zu fallen. Ich empfand keine Enttäuschung, keine Wut, keine Hilflosigkeit mehr. Es war okay. Im gleichen Monat wurde mein kleiner Neffe geboren, vier Wochen später meine Nichte – und ich konnte mich einfach freuen. Ohne Selbstzerfleischungen, ohne Neid, ohne Schmerz. Einfach Freude über zwei wunderbare neue Erdenbürger, zwei neue Mitglieder unserer Familie. Das Jahr 2020 ist für mich das erste Jahr seit langem, das ich ohne das sehnsüchtige Ziel “ein Baby bekommen oder wenigstens schwanger werden” begonnen habe.

Dass ich das so erfahren durfte, und dass dieser „Zustand“ bis heute anhält, ist für mich ein großes Geschenk. Eine Gebetserhörung. Ein Wunder.

Denn noch vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich einen großen Zusammenbruch, als ich von der Schwangerschaft meiner Schwester erfuhr (ich kann das hier so schreiben, weil meine Schwester davon weiß und wir darüber gesprochen und alles bereinigt haben – ich hab dich lieb!). Seitdem hat sich bei mir nach und nach etwas verändert. Es waren viele Schritte, Entscheidungen und Ereignisse, die dazu beigetragen haben – und vor allem ganz viel Gnade, die dazu nötig war!

Nachdem ich von der Schwangerschaft meiner Schwester erfahren hatte, stand ich vor zwei Möglichkeiten: Mich von ihr distanzieren, um den Schmerz zu vermeiden, oder – im Gegenteil – mich so verhalten, wie ich es für richtig hielt: Den Kontakt mit ihr halten, sie unterstützen, mich mit ihr freuen, für sie da sein. So, wie sie es in meinen Schwangerschaften auch für mich war. Ich wollte eine „gute“ große Schwester sein. Und eine „gute“ Tante für das Baby. Dieser Wunsch war letztlich größer als die Enttäuschung und der Neid. Die Entscheidung traf ich zuerst mit dem Kopf.

Ich beschloss, mich so zu verhalten, als würde ich mich für sie freuen und alles zu tun, was ich rational für „richtig“ hielt, in der Hoffnung, dass meine Gefühle schließlich meinen Taten folgen würden. Das funktionierte: Mehr und mehr freute ich mich wirklich für sie, von Herzen. Mehr und mehr wich die Bitterkeit der Vorfreude. Es war mir sogar möglich, eine Babyparty für meine Schwester zu organisieren und auszurichten. Das hatte ich ein paar Monate früher kaum für möglich gehalten (und mich selbst dafür hart verurteilt). Jetzt, wo mein kleiner Neffe da ist, kann ich mich einfach über ihn freuen und bin dankbar, dass es ihn gibt.

In dieser Zeit veränderten sich auch meine Gebete.

Ich betete nicht mehr darum, schwanger zu werden. Vielmehr bat ich Gott, diesen Wunsch von mir zu nehmen, ihn erträglicher für mich zu machen, und mir zu helfen, ihm in seinen Plänen für unsere Familie zu vertrauen. Ich wünschte mir, offen sein zu können für den Lebensentwurf, den Er für uns vorgesehen hatte. Egal, ob er uns noch ein drittes Kind schenken würde oder nicht (und wann…) – ich wollte damit „okay“ sein. Und langsam fühlt es sich für mich tatsächlich so an. Ich habe das Thema Kinderwunsch noch nicht abgeschlossen – nach wie vor habe ich das Gefühl, dass da noch „was“ kommen könnte, irgendwann. Aber ich kann mittlerweile sagen: „Und wenn nicht, dann werde ich auch glücklich sein.“ Ich habe Gott den Kinderwunsch hingehalten, weil ich einfach nicht mehr länger daran festhalten konnte – es tat zu weh und wurde zu schwer, zu mühsam – und mit der Zeit spürte ich, dass mein Herz leichter wurde.

Es geht mir immer noch so, dass ein Wunsch sich in mir regt, wenn ich einen Babybauch oder einen Säugling sehe. Eine leise Sehnsucht, ein Ziehen im Herzen, eine ganz weiche Wehmut. Aber das ist in Ordnung. Es tut nicht mehr weh.

In diesem vergangenen Jahr hat sich zudem unser Familienleben verändert: Wir haben jetzt ein Schulkind! Dieser Schritt hat unseren Alltag umgekrempelt und uns einiges an Kraft und Emotionen abverlangt. Es ist ein großer Schritt, und ich hätte selbst nicht gedacht, dass es so anstrengend und herzklopfend sein würde, sein Kind in die Schuleingangsphase zu begleiten. Wir haben jetzt ganz neue Themen: Hausaufgaben, Unterrichtsausfall, neue Freunde, der Schulweg, viele Termine… Da rückte der Kinderwunsch auf natürliche Weise aus dem Fokus. Und ich bin dankbar, dass ich in dieser Anfangszeit ganz für unsere Tochter da sein konnte, ohne gleichzeitig auf die Bedürfnisse eines Säuglings eingehen zu müssen.

Und dann passierte auch noch mein Business! Meine Arbeit macht mir so viel Spaß und sie erfüllt mich total! Ursprünglich hatte ich, als ich mit LoveLetter anfing, immer den Gedanken im Hinterkopf: „Wenn ich mich mit der Selbstständigkeit ablenke und gar nicht mehr an ein Baby denke, werde ich ja vielleicht schwanger…“ Mittlerweile lautet der Gedanke eher so: „Hm, wenn ich jetzt noch ein drittes Kind bekomme, muss ich ja mein Business zurückfahren – will ich das überhaupt? …“ In dem, was ich bei LoveLetter tue, gehe ich ganz auf und es fühlt sich so an, als sei ich an dem Ort angekommen, an dem Gott mich haben möchte.

Mir ist erst beim Schreiben dieses Textes aufgefallen, wie cool es ist, dass gerade die Babynamen-Letterings zu meinen beliebtesten Produkten gehören! Auch wenn ich kein eigenes Baby in den Armen halte, darf ich viele andere Babys auf dieser Welt begrüßen und sie beschenken. Das macht mir viel Freude und hat noch nie irgendwelche negativen Gefühle bei mir ausgelöst – im Gegenteil!

Im letzten Jahr und gerade in den letzten zwei oder drei Monaten haben sich für mich so viele neue Möglichkeiten ergeben – und oft öffnete mir der Kinderwunsch dafür die Tür! So habe ich einen Gastartikel auf Mamaabba schreiben dürfen, der bald auch in einem Kinderwunsch-Buch von Anna Koppri erscheint. Letzte Woche war ich bei Katis Podcast zu Gast und konnte über das Thema sekundärer Kinderwunsch sprechen – die Folge wird im April ausgestrahlt! All das wäre nicht passiert ohne den Schmerz des Kinderwunsches (und wenn ich nicht darüber geschrieben hätte).

Gott hat mir (noch) nicht gegeben, worum ich ihn so sehr gebeten habe. Aber er hat mich mit so viel anderem Segen überschüttet! Ich fühle mich reich beschenkt und bin zutiefst dankbar für dieses Leben, das ich führen darf, für alles, was ich erleben und ausprobieren und machen darf! Und auch für das, was ich – teilweise auf die harte Tour – lernen durfte.

Ich habe gelernt, und lerne es noch, dass ich mein Leben nicht unter Kontrolle habe. Auch dann nicht, wenn es sich so anfühlt, als hätte ich es unter Kontrolle… Ich bin in Gottes Hand, und er ist der Drehbuchautor und der Regisseur meines Lebens.

Eine Zeitlang habe ich mich an die Hoffnung geklammert, bald schwanger zu werden, anstatt mich an Gott selbst festzuhalten. Bis ich verstand, dass Er mich einlädt, ihm zu vertrauen, egal was passiert. Das ist es, worauf es ankommt.

Und dann ist da noch die Sache mit der Empathie. Der Kinderwunsch hat mich zu einem achtsameren und empathischeren Menschen gemacht, das hoffe ich jedenfalls.

Einer meiner liebsten Bibelverse ist Römer 8,28: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen; denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.“

Das, was Paulus vor 2000 Jahren an die Christen in Rom schrieb, fasst meine Erfahrung nach dreieinhalb Jahren sekundärem Kinderwunsch ganz gut zusammen. Ja, das Thema ist noch nicht abgeschlossen, und ich weiß nicht, was kommt. Vielleicht wird es wieder schwerere Phasen geben, vielleicht werden wir noch ein drittes Kind bekommen, vielleicht… Trotzdem blicke ich auf die vergangenen Jahre mit dieser neu gewonnenen Perspektive zurück.

Es war keine verlorene Zeit, wenn es sich für mich auch oft so angefühlt hat. Es war eine lehrreiche Zeit, es waren wichtige Monate und Jahre, die ich nicht missen möchte.

2 Kommentare

  • Angela

    Hallo Rebekka,
    vielen Dank fürs Teilen, ein sehr starkes Zeugnis wie ich finde! Ich denke oft hindert uns die Erfüllung unserer Wünsche daran, den Geber statt nur die Gabe zu suchen. Klar sehnt sich keiner danach so einen schweren Weg zu gehen wie du die letzten Jahre, aber was man dabei lernen kann (wenn man nicht bitter wird), ist vielleicht ein größeres und tieferes Wunder als das eigentlich erhoffte. Und es schließt ja nicht aus dass das andere Wunder auch noch passiert.
    Ich freue mich ganz sehr für dich dass du es durch dieses Tal geschafft und dabei deinen Glauben bewahrt und endlich innere Freiheit, ja sogar Freude gefunden hast! Ein Hoch auf unseren treuen Hirten!
    Herzliche Grüße & sei gesegnet!
    Angela

    • rebekkasloveletter

      Liebe Angela, hab vielen, vielen Dank für deine Worte! Du hast so Recht: Ein Hoch auf unseren treuen Hirten!
      Liebe Grüße, Rebekka

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