Advent im Rückblick
Warum ist es so, dass die Dinge oft erst im Nachhinein schön werden, dass ich erst, wenn etwas vorbei ist, realisiere, wie gut es eigentlich war? Auf diese Adventszeit trifft meine Beobachtung definitiv zu: Während ich noch mitten im Trubel steckte, war mir alles zu viel, ich fühlte mich meistens überfordert, genervt, schlecht gelaunt und kein bisschen besinnlich – in manchen Momenten überkam mich sogar eine Wut, die ich als advent rage getauft habe: Scheiß Advent!
Als wir am vierten Advent die letzte Kerze auf dem grünen Kranz anzündeten, wünschte ich mir, noch einmal an den Anfang zurückgehen, alles nochmal besser machen zu können…
Aber heute, wo ich Fotos und Videos sichte, spüre ich gar nichts mehr von der Gereiztheit und Erschöpfung der vergangenen Wochen. Wie schön war sie doch, diese Zeit, und wie bis oben hin angefüllt mit wunderbaren Erlebnissen:
Wir haben die Weihnachtsbücherkiste rausgeholt und unsere liebsten Geschichten gelesen.
Ich habe Girlanden gebastelt und aufgehängt und alles weihnachtlich geschmückt.
Auf die Adventsspirale legten wir jeden Tag einen weiteren Edelstein (und es gab nicht jeden Tag Streit darüber, wer damit an der Reihe war…).
Die schöne Holzkrippe wurde aufgestellt.
Fast jeden Abend haben wir gemeinsam “Advent gefeiert”, das heißt bei Kerzenschein eine Adventskalendergeschichte gelesen und viele Weihnachtslieder gesungen.
Unser Wichtel Knut zog wieder ein und machte unser jüngstes Familienmitglied sehr glücklich. Zwischendurch war Knut ein paar Tage “krank”, da konnten wir Eltern uns erholen…
Wir haben ein Lebkuchenhaus verziert.
Wir haben fast vierzig Weihnachtskarten geschrieben und verschickt.
In der Vase stand jederzeit eine wunderschön blühende Amaryllis.
Wir haben einen Adventsbasar besucht und für den Weihnachtsmarktstand unserer Gemeinde 10l Waffelteig zusammengerührt.
Wir haben mehrere Sorten Plätzchen gebacken, und alle sind lecker 🙂
Mandarinen gab und gibt es natürlich auch!
Ich habe wieder einen Aquarell-Adventskalender von meinem Mann bekommen – und ich habe nach dem Advent noch ganz viele Motive zum Malen übrig 🙂
Sterne wurden gebastelt: Zuerst ganz viele Fröbelsterne für meine Kolleginnen und Kollegen in der Schule; dann habe ich gelernt, fünfzackige Origami-Sterne zu falten, und zum Schluss wurden noch zahlreiche Sterne aus Goldfolie geschnitten (und ebenfalls verschenkt).
Wir haben unseren Lieblingsweihnachtsfilm geschaut: Bo und der Weihnachtsstern.
Beim diesjährigen Krippenspiel unserer Gemeinde spielte die ganze Familie mit – und obwohl das Proben und Textlernen und alle Termine für viel zusätzlichen Stress sorgten, war es am Ende eine sehr schöne Erfahrung für uns alle ♥
An Heiligabend gab es zum 1. Mal ein “Hirten-Picknick” unterm Weihnachtsbaum mit frischem Fladenbrot, Hähnchenspießen, Hummus, Oliven, Gemüse und Obst. Das war richtig lecker und gemütlich und hat Traditions-Potential!
Am Weihnachtsbaum hängen wie immer Erinnerungsstücke mit hohem emotionalen Wert – in diesem Jahr zum ersten Mal auch Anhänger aus Montenegro.
Der erste Weihnachtstag war ganz gemütlich mit leckerem Frühstück und viel Spielen. Darauf folgten drei trubeligere Tage mit Familie und Freunden.
Ich wurde reich beschenkt mit Dingen, die ich mir gewünscht habe, mit liebevollen Überraschungen und auch mit selbstgemachten Schätzen – zum Beispiel mit einem selbst genähten Schweinchen ♥
Jetzt sind die Kerzen am Adventskranz fast schon heruntergebrannt. Die Adventskalender sind geplündert und Knut, der Wichtel, macht sich bereit für seinen Auszug. Ein paar letzte Plätzchen warten noch in der Blechdose auf ihren Einsatz. Einige Geschenke liegen noch unter dem Baum und brauchen einen festen Platz in der Wohnung. Wir hören kaum noch Weihnachtslieder. Diese besondere Zeit neigt sich dem Ende zu… wie schade!
Eigentlich war das ganze Jahr 2025 so wie seine Adventszeit: Vollgestopft bis oben hin mit lauter guten Dingen. Es war unglaublich anstrengend, oft auch stressig und (über)fordernd. Ich bin müde und könnte ein paar Wochen Ruhe gebrauchen – wie gut, dass ich Anfang des neuen Jahres auf Mutter-Kind-Kur fahren werde! 🙂
Ich wünsche mir aber auch einen Perspektivwechsel: Anstatt über das zu stöhnen, was anstrengend und viel war, möchte ich dankbar sein für diese unglaubliche Fülle, die ich erlebe. Ich bin überreich beschenkt. Mir ist sehr viel anvertraut. Dieses Leben, das ich führe, besteht aus lauter großen und kleinen Gebetserhörungen: die Kinder, meine Familie, meine Arbeit in der Schule, so viele Beziehungen, Freundschaften, Engagement in der Gemeinde, Hobbys, Interessen, Gaben…
Es soll mir am Ende meines Lebens nicht so gehen, wie die französische Schriftstellerin Colette es formulierte:
“Was für ein herrliches Leben hatte ich! Ich wünschte nur, ich hätte es früher bemerkt.”
Es ist ein herrliches Leben.
Ich bin müde, ja, aber auch glücklich.
Es ist gut, wie es ist.
Und gut, dass ich regelmäßig zurückschaue, um es zu bemerken…
♥
Ich wünsche dir einen versöhnten Abschied von dem, was war.
Es ist vorbei – lass es ziehen.
Alles kann vergeben werden, wenn du es möchtest.
Ich wünsche dir Vertrauen im Dazwischen.
Gott ist derselbe, gestern, heute und morgen.
Er hält dich, auch wenn alles in der Schwebe ist.
Ich wünsche dir Freude auf das, was kommt.
Hoffnung, Zuversicht und Mut für jeden neuen Tag.
Keine Angst vor dem unbeschriebenen Blatt –
unser Gott ist ein großartiger Autor mit den allerbesten Ideen!
♥
Sei gesegnet
deine Rebekka































