Den Herbst genießen
Heute ist es in Berlin ganz besonders grau. Dichter, nasser Nebel hängt über der Stadt und die Kälte dringt durch bis in die Knochen. Der Herbst ist da, und er lässt sich auch nicht mehr verdrängen. Die warmen Sommertage sind für dieses Jahr vorbei.
Am Leben in unseren Breitengraden gefällt mir gerade der Wechsel der Jahreszeiten mit all ihrer Vielfalt, die in der Form nicht überall zu finden ist. Frühling, Sommer, Herbst und Winter – so richtig kann ich gar nicht sagen, wer mir davon am liebsten ist:
Am Frühling liebe ich, wie die Natur aus ihrem Schlaf erwacht, wie es draußen wärmer, heller und bunter wird. Ich freue mich über den Gesang der Vögel, die unzähligen Blumen und Blüten, das zarte Gelbgrün an den Spitzen der Äste, das erste Mal ohne Jacke rausgehen, Sonnenstrahlen im Gesicht…
Im Sommer liebe ich die langen, lauen Abende und dass ich früh morgens schon voller Energie aus dem Bett springe. Es gibt Erdbeeren und Melonen, ganz viel Gemüse und leichte Gerichte, ich kann meine Lieblingskleider tragen und barfuß über Strand und Wiesen laufen. Die Kinder haben Sommerferien und wir gehen schwimmen, essen Eis, verreisen…
Den Herbst liebe ich, weil er uns nach der Hitze des Sommers Abkühlung und wunderschöne Farben bringt. In jeder Tasche stecken Kastanien, auf dem Herd köchelt eine Suppe und nachmittags gibt es Kürbis-Waffeln. Ich lese wieder mehr und habe ganz viel Lust auf Kreativität. Kerzen und Lichterketten sorgen für Gemütlichkeit und wir “dürfen” endlich ganz viel drinnen sein.
Am Winter liebe ich die Vorfreude und das Warten auf Weihnachten: Adventskalender, Kerzen auf dem grünen Kranz, Lieder singen und Geschichten lesen, Geschenke einpacken und ein Krippenspiel einüben. Die Begeisterung der Kinder, wenn es endlich schneit. Gemütlich weiche Pullis und Stricksocken tragen. Diese ganz besondere Zeit zwischen den Jahren – und dann ein neuer Anfang, ein neues Jahr.
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Und obwohl jede Jahreszeit ihren ganz eigenen Zauber hat, kommt es mir doch so vor, dass viele von uns ein bisschen mit dem Herbst hadern. Noch immer empfinden wir Wärme, Sonnenschein und Sommer eher als positiv, während Kälte, Dunkelheit und Regen als negativ wahrgenommen werden (vielleicht ändert sich das in Zukunft auch mit dem Klimawandel…). Dem Sommer trauern wir stärker hinterher, als dass wir den Herbst willkommen heißen. Dabei hat er uns so viel zu bieten!
Seit ich Kinder habe, gestalte und zelebriere ich die Jahreszeiten mit ihren Eigenheiten viel stärker als vorher, und empfinde das als unglaubliche Bereicherung! Es hilft mir, mehr im Hier und Jetzt zu sein, mich auf das Gute und Schöne zu fokussieren und für das dankbar zu sein, was ich habe – anstatt mich nach dem zu verzehren, was mir (scheinbar) fehlt.
Und was für die Kinder schön ist und ihnen Struktur und Sicherheit bietet, kann auch für uns als Erwachsene wertvoll sein. Deshalb habe ich mir ein paar Dinge überlegt, die uns helfen können, den Herbst als eine von vier Lieblingsjahreszeiten zu gestalten und zu genießen:
Akzeptieren, was ist – und das Beste daraus machen
Mit dem Herbst beginnt auch die Erkältungszeit – das ist einer der negativen Effekte von Nässe, Kälte, Drinnen-hocken und Dunkelheit. Vorsorglich checke ich unseren Medikamentenschrank und stelle mit Schrecken fest, dass ein guter Teil unserer Vorräte abgelaufen ist… Ich setze Zwiebel-Honig-Saft an, koche Literweise Salbeitee und verteile Halstabletten. Immer wieder stelle ich mir morgens die Frage, ob das eine oder andere Kind heute zu Hause bleiben sollte, und ärgere mich über Pläne, die damit über den Haufen geworfen werden.
Solange niemand ernsthaft erkrankt, sind diese Erkältungsphasen vor allem nervig. Ich bin gezwungen, Termine abzusagen oder zu verlegen, habe Extraladungen Wäsche zu waschen und muss auf Verabredungen verzichten. Die Lektion, die ich hier lernen darf, heißt Akzeptanz. Und damit tue ich mich unglaublich schwer! Ich will Dinge nicht einfach akzeptieren, ich will sie ändern!
Manchmal funktioniert das aber nicht.
Eine Erkältung dauert, solange sie eben dauert. Der Herbst dauert solange, bis er in den Winter übergeht, und auch dieser endet erst, wenn es Zeit für den Frühling ist. Dies ist der Lauf der Welt. Ob es mir gefällt, oder nicht.
Diesen Herbst übe ich mich also in Akzeptanz.
Wenn es regnet, dann regnet es eben – und wir gehen nur mit Regenjacke, Gummistiefeln und Schirmen bewaffnet raus. Das kann ja auch schön sein.
Wenn wir krank sind, dann sind wir eben krank – und nehmen uns die Zeit und Pflege, die es dauert, um gesund zu werden.
Wenn es draußen grau und trostlos aussieht, dann ist es draußen eben so – das heißt nicht, dass es drinnen genauso aussehen muss! Wir zünden Kerzen an, malen bunte Bilder und lesen lustige Geschichten vor.
Wir dürfen – soweit es uns möglich ist – das Beste aus den äußeren Umständen machen, in denen wir uns wiederfinden. Manchmal können wir aber auch medizinische Hilfe brauchen, wenn die Stimmungstäler zu tief werden und die Dunkelheit uns stark zu schaffen macht. Hier gibt es gute Möglichkeiten, die wir nutzen dürfen und sollten ♥
Der Rhythmus der Jahreszeiten ist eine gute Idee unseres Schöpfers. Wir dürfen darauf vertrauen, dass er sich an sein Versprechen hält: “Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht werden nicht aufhören, solange die Erde besteht.” (Genesis 8,22)
Herbst und Winter bleiben nicht für immer – der Frühling wird wiederkommen, zu seiner Zeit.
Die Veränderungen der Natur wahrnehmen
Der französische Schriftsteller und Philosoph Albert Camus hat es sehr passend ausgedrückt, als er schrieb: „Der Herbst ist ein zweiter Frühling, in dem jedes Blatt eine Blume ist.“ Während wir im Frühling beobachten können, wie die Natur aus ihrem Schlaf erwacht, erleben wir im Herbst das Gegenteil: Die Natur verabschiedet sich in ihre Winterruhe und beschenkt uns dabei mit der allerschönsten Fülle.
Auch wenn mir im Herbst oft mehr danach ist, in der Wohnung zu bleiben und es mir dort gemütlich zu machen, tun gerade in dieser Zeit Spaziergänge an der frischen Luft so gut! Wir sammeln die letzten Sonnenstrahlen und tanken damit Serotonin = gute Laune. Außerdem können wir draußen die Veränderungen der Natur bewusst wahrnehmen und uns daran erfreuen: Da gibt es so viel zu entdecken!
Für den November habe ich mir vorgenommen, jeden Tag (!) einen kleinen Inspirationsspaziergang zu unternehmen, bei dem ich Fotos mache oder besondere Fundstücke sammle, die ich zu Hause dann kreativ verarbeite. Das ist gleich doppelt gut für meine mentale Gesundheit!
Jahreszeitliche Deko
Den Beginn einer neuen Jahreszeit zelebriere ich gerne damit, unsere Wohnungsdeko auszutauschen. Ich habe für jede Jahreszeit eine eigene Deko-Kiste, die ich dann heraushole und mich über all die Schätze darin freue, die ich über die letzten Jahre angesammelt habe.
Im Herbst dekoriere ich mit Naturmaterialien: Eicheln, Kastanien, getrockneten Blumen, Ahorn-Propellern und verschiedenen Zapfen. Ich hänge eine Girlande aus getrockneten Blättern auf. Außerdem nutze ich gern Waldtierfiguren meiner Kinder, Pilze aus Holz, kleine Sammeltassen und andere Souvenirs, die wir von unseren Urlauben mitgebracht haben.
Auch die Bilder in den Rahmen, an den Türen und Wänden werden ausgetauscht – in den Kunstwerke-Kisten meiner Kinder finde ich immer etwas Passendes, und in meiner Sammlung von Illustrationen aus Zeitschriften, Postkarten und Bildern.
Mit allen Sinnen im Hier und Jetzt
Eine klassische Achtsamkeitsübung besteht darin, sich abwechselnd auf die eigenen Sinne zu fokussieren und deren Eindrücke bewusst wahrzunehmen. Die vier Jahreszeiten bieten uns hier eine große Fülle von Gerüchen, Farben, Lebensmitteln, Klängen und Texturen, die es sich zu erforschen lohnt.
Was verbindest du mit dem Herbst:
Wie schmeckt, klingt und riecht er für dich, wie fühlt und hört er sich für dich an?
Hier sind meine Ideen dazu:
Den Herbst sehen: Alle Farben des Laubs: rot, orange, gelb, braun – unendlich viele Nuancen. Erdtöne, warme Farben. Die verschiedenen Formen und Strukturen der Blätter. Pilze im Wald oder auf der Wiese. Rosenblüten, die der Kälte trotzen. Eichhörnchen beobachten, die Nüsse und Eicheln sammeln. Lichterketten und Kerzenschein.
Den Herbst schmecken: Zeit für Wärmendes und Deftiges, z.B. Eintöpfe und Suppen aus Kürbis, Karotten, Kartoffeln, Pilzen und Kohl. Gewürze wie Zimt, Vanille und Muskat. Süßes Gebäck: Kürbiswaffeln, Zimtschnecken, Apfelkuchen. Überhaupt verbinde ich den Apfel sehr stark mit dem Herbst, ebenso wie Birnen und Trauben, im Supermarkt gibt es jetzt wieder Granatäpfel und Kakis.
Den Herbst hören: Die Kraniche und Wildgänse ziehen nach Süden und rufen uns Abschiedsgrüße zu. Krähen klingen für mich nach Herbst, ebenso wie der Wind in den kahler werdenden Bäumen. Blätterrascheln unter meinen Füßen. Regenprasseln am Fenster, und da platscht jemand in eine Pfütze!
Den Herbst riechen: Für mich als Anosmikerin, die praktisch nichts riecht, ist diese Kategorie etwas schwierig – aber dir fällt bestimmt einiges dazu ein!
Den Herbst fühlen: Wollsocken, dicke Pullover und kuschelige Strickjacken, die Wärme einer Kerze. Glatte Kastanien und raue Zapfen. Knisternde, trockene Blätter. Die Seiten des Buches, das ich gerade lese. Die Wärme meines Mannes, wenn ich mich an ihn kuschle. Eine weiche Decke. Eine Wärmflasche im Bett.









Herbstfeste feiern
Der Herbst schenkt uns viele Feste – ist dir das schon einmal aufgefallen?
Ich vermute, dass das kein Zufall ist: Nicht nur, dass die Menschen früher nach Saat und Ernte nun wieder Zeit zum Feiern hatten – im Herbst kommen wir ins Nachdenken über das Leben, über das nahende Ende des Jahres, wir sehnen uns nach Licht und Leichtigkeit. Was liegt da näher, als liebe Menschen um uns zu versammeln und zu feiern?
Im christlichen Jahreskreis finden wir die folgenden Herbstfeste:
Erntedank/ Thanksgiving: Auch wenn viele von uns ihre Nahrung nicht mehr (oder nur noch zu einem kleinen Teil) selbst anbauen, tut es gut, innezuhalten und Dankbarkeit zu kultivieren. Jeden Tag werden wir von unserem himmlischen Vater versorgt, mit so viel mehr als wir brauchen.
Reformationstag: In unserer Gemeinde begehen wir den Reformationstag bewusst mit einem gemütlichen Beisammensein mit Lagerfeuer, Punsch und Grillwurst. Wir möchten ein Licht sein, und erinnern uns außerdem an die Grundwerte der Reformation.
Allerheiligen und Allerseelen: Katholische Gläubige gedenken der Verstorbenen bzw. ihrer Heiligen.
St. Martin: An vielen Orten werden Laternenumzüge veranstaltet. Ich mag diese Tradition mit dem Basteln der Laternen und den verschiedenen Liedern, außerdem backe ich an diesem Tag gern Weckmänner 🙂
Buß- und Bettag: Ein vernachlässigter Feiertag, für den ich mir wünsche, dass wir ihn wieder neu beleben.
Totensonntag/ Ewigkeitssonntag: Der letzte Sonntag des Kirchenjahres, bevor wir in den Advent starten. Der evangelische Gedenktag der Verstorbenen – ein Tag zum Trauern und Gräber besuchen.
Und natürlich gibt es auch jenseits der kirchlichen Feiertage Möglichkeiten, den Herbst mit seinen Besonderheiten zu genießen, zum Beispiel in Form von lokalen Kürbisausstellungen, Weinfesten etc.
Der Kreativität Raum geben
Wenn wir mehr Stunden in der Wohnung verbringen, juckt es mich auch mehr in den Fingern, mich kreativ auszutoben! Jetzt ist die Zeit, um die Stricknadeln aus dem Schrank zu holen, ein neues Rezept auszuprobieren, ein herbstliches Haiku zu verfassen oder bei einem Hörspiel ein entspannendes Mandala auszumalen.
Bestimmt findest du in deinem Zuhause ein paar Stifte, die du noch nie benutzt hast, ein leeres Notizheft oder Skizzenbuch, einige Farbtuben, einen alten Webrahmen und Stoffreste, ein Kochbuch, aus dem du noch nie ein Rezept nachgekocht hast, einen Aquarellkasten aus Schulzeiten oder ein DIY-Set, das du dir mal gekauft aber nie ausprobiert hast.
Um kreativ zu werden, braucht es eigentlich nicht viel, und schon gar nicht müssen wir erst losgehen und uns teure Materialien kaufen. Meine Challenge für den Herbst ist, das zu nutzen, was ich bereits habe – und mich dann einfach hinzusetzen und loszulegen. Machst du mit?
Vielleicht kannst du dich auch mit ein paar Freundinnen zusammentun und einen Kreativ-Nachmittag veranstalten, bei dem jede ein Projekt umsetzt, dass sie sich schon länger vorgenommen hatte…
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Und natürlich gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, den Herbst zu genießen!
Wenn du magst, teil sie gerne mit uns unten in den Kommentaren 🙂
Es kommt was Neues ab November:
Am Sonntag (also dem 1. November) werde ich den ersten neuaufgelegten Love&NewsLetter versenden – mit ganz viel Inspiration zu einem wunderbaren (Herbst-)Thema! Wenn du noch nicht angemeldet bist, kannst du das jetzt gleich nachholen und dich am Sonntag auf etwas Schönes in deinem E-Mail-Postfach freuen 🙂
Ebenfalls am Sonntag wirst du hier auf meiner Seite einen neuen Menü-Punkt namens Inspiration finden – ich bin gespannt, wie diese Neuerungen bei dir ankommen!
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Und damit verabschiede ich mich für den Oktober und wünsche dir noch eine wunderschöne, goldene Herbstzeit! Lass es dir gut gehen, bis bald!
deine Rebekka
PS: Ein Teil der Fotos dieses Beitrags ist in Krakau entstanden, wo wir in den Herbstferien ein paar Tage verbrachten. Eine wunderschöne Stadt, sehr empfehlenswert! 🙂


























