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Von Wunden und Wundern

Sie erzählen mir jeden Tag von meinen drei Wundern: Die silbernen Streifen auf meinem Bauch. Dort, wo meine Haut sich dehnen musste, Platz machen für das kleine neue Leben, wo sie riss – lauter winzige Wunden, die mit der Zeit zwar verblassen, aber für immer zu mir gehören werden. Ich bin nicht mehr die, die ich einmal war. Drei Schwangerschaften, drei Geburten, drei Wochenbetten haben Spuren hinterlassen. Je genauer man hinschaut, desto mehr entdeckt man sie auch: Linien, Male, Narben – Wunden.

Zeichen und Wunder.

Nicht alle Wunden sind sichtbar. Das, was vom Kinderwunsch bleibt, auch wenn er sich schließlich erfüllt hat, ist in die Seele eingegraben. Die Erfahrung wird verblassen, sie wurde verdeckt von dem Erlebnis der Wunsch-Erfüllung, aber die Jahre des Wartens haben mich doch geprägt.

Ich denke viel nach, in letzter Zeit, über Wunden und Wunder, und wie diese beiden zusammenhängen – allgemein und in meinem eigenen Leben. Die Wunde und das Wunder – rein sprachlich unterscheidet sie ein einziger Buchstabe (gut, und der Artikel), und diese Wort-Nähe finde ich faszinierend. Meiner Meinung nach ist sie kein Zufall (genauso wenig wie der Zusammenhang von leben und lieben…), sondern enthält eine tiefe Weisheit:

Jede Wunde hat das Potenzial zum Wunder – wenn man nur ein -r anhängt, beziehungsweise, wenn die Gnade dazukommt.

In der Natur fällt mir dazu sofort die Muschel ein, in deren Inneres ein störendes Sandkorn gelangt. So winzig es auch sein mag – das Sandkorn ist ein Fremdkörper, der die Muschel wund scheuert. Da sie es nicht loswerden kann, hüllt sie das Körnchen Schicht für Schicht in weich glänzendes Perlmutt: die Geburt der Perle. Eine Wunde – ein Wunder.

In der Bibel denke ich an Jesus, den Wundertäter, den Schmerzensmann: „Durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jesaja 52). Die Wunden, die Jesus erlitt, münden im Wunder der Auferstehung und der Erlösung der ganzen Welt.

Und mein persönliches großes Wunder liegt gerade neben mir und schläft…

Wie sehr habe ich ihn mir gewünscht, mich nach ihm gesehnt! Vier Jahre lang war der unerfüllte Kinderwunsch eine klaffende Wunde, die mich mal mehr, mal weniger stark schmerzte, die ich einfach nicht loswerden konnte.

Diese Zeit hat mich geprägt. Ich bin sensibler geworden was die ganze Thematik „Familienplanung“ angeht, und ich wünschte mir, wir alle wären das. Unbedachte Bemerkungen sind Salz in der Wunde; sie erschweren den Heilungsprozess enorm. Auch jetzt zucke ich innerlich zusammen, wenn jemand fragt, ob wir jetzt „durch“ seien, wenn Schwangerschaften verkündet werden, wenn über „ideale“ Familienkonstellationen diskutiert wird. Die Kinderwunsch-Erfahrung wird immer zu mir gehören, gerade auch in dem Bewusstsein, dass sie leider nicht für alle Beteiligten so ausgeht wie für mich!

Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, dann staune ich, wie Gott immer wieder seine Gnade auf meine Wunde legte, fast wie ein schützendes Pflaster, und etwas Gutes daraus erwachsen ließ. Ich kann für mich persönlich sagen, dass die Kinderwunsch-Zeit mir einzigartige Möglichkeiten geboten hat: Ich durfte meinen emotionalen Horizont erweitern, ermutigende Gemeinschaft mit Leidensgenossinnen erleben und sogar an einem Buch mitwirken! Ich habe in der Zeit des Wartens mein kreatives Business eröffnet und darin Früchte wachsen sehen. Mein Vertrauen zu Gott wurde herausgefordert und gestärkt.

Es war definitiv eine harte Zeit, und mein Herz war manchmal so wund.

Es war aber auch eine Zeit des Wachsens und des Reifens, eine Zeit kleiner Wunder – und immer wieder streute Gott leise Verheißungen auf meinen Weg. Da war der Regenbogen, den ich – frisch aufgewacht aus der Narkose – aus dem Krankenhausfenster sah, kurz nachdem ich mich einer Bauchspiegelung unterzogen hatte. Da waren Bibelverse, die in mir Hoffnung säten. Und einmal, als eine junge Frau mit Baby im Tragetuch an mir vorbeiging, hörte ich ziemlich deutlich ein: „Das wirst du auch noch einmal erleben.“ (Wie passend, dass unser Jüngster tatsächlich ein richtiges Tragebaby ist!)

Als die Gebetserhörung auf sich warten ließ, fiel es mir zunehmend schwer, diesen „Zeichen“ zu glauben. Wahrscheinlich hatte ich sie mir alle nur eingebildet, weil ich mir eben so sehr ein Baby wünschte…

Jetzt, wo unser Kleiner da ist, erinnere ich mich an diese kleinen Begebenheiten, die mir zu dem Zeitpunkt so viel bedeuteten, und ich kann wieder glauben, dass sie von Gott kamen. Ja, Er tut wirklich Zeichen und Wunder!

Ich weiß nicht, warum wir warten mussten. Und ich denke nicht, dass wir in jedem Leid, das uns widerfährt, einen Sinn finden können und müssen. Schon gar nicht sollten wir anderen erklären, welchen Sinn ihr Leid hat! Das steht uns nicht zu. Manchmal müssen wir es aushalten, dass Dinge sinnlos scheinen, dass wir an ihnen nichts Gutes finden können, dass eine Wunde einfach eine Wunde ist und bleibt, dass wir auf das -r vergeblich warten.

Ich weiß aber, dass das Warten mich verändert hat. Es waren keine verlorenen Jahre, im Gegenteil. Die offene Wunde des unerfüllten Kinderwunsches ist vernarbt und schimmert nun silbern gestreift auf meinem Bauch. Gott hat mir noch ein Wunder geschenkt. Und dabei war er wieder einmal so verschwenderisch in seiner Liebe, auch so humorvoll und aufs Detail bedacht, dass dieses Sehnsuchtskind sogar im Mai geboren wurde (wie ich mir das heimlich immer gewünscht hatte für eines meiner Kinder).

Schwangerschaften und Geburten gehen mit Schmerzen und Wunden einher – das gehört einfach dazu – aber wenn wir wissen wofür, können wir es besser aushalten. Wenn wir unser Baby, ein in unserem Körper herangewachsenes Wunder, dann im Arm halten, war es das alles wert!

Ohne Wunden kein Wunder, oder? Ist das nicht oft eine Erfahrung, die wir machen?

Welche Wunden, welche Wunder gibt es in deinem Leben?

Welchen Zusammenhang dieser beiden so ähnlich klingenden Wörter hast du schon erlebt?

Wo wartest du gerade noch auf ein -r?

Es ist mir offensichtlich nicht schwer gefallen, ein Thema für den ersten LoveLetter nach der Babypause zu finden: Auch darin geht es um Wunden und Wunder!

Wie immer ist der Brief vollgepackt mit Inspiration und Ermutigung, mit schönen Kleinigkeiten und guten Gedanken zum Mitnehmen – ganz persönlich und handgemacht, in limitierter Auflage!

Ein paar wenige Exemplare gibt es noch im Shop, und ich würde mich freuen, diese euch zukommen zu lassen – euch zu schreiben!

Über Wunden und Wunder und über die Gnade.

6 Kommentare

  • Maria Kunkel

    Liebe Rebekka,
    wieder ein so schöner Text von Dir. Lieben Dank! Deine Worte tun einfach immer gut. 🙂 Schön, dass du wieder öfters schreibst. Liebe Grüße Maria

  • Judith

    Liebe Rebekka,

    wie schön, dass du wieder regelmäßig hier auf deinem Blog schreibst!
    Danke für den tollen Text über Wunde(r) 🙂

    Ich würde mich auch sehr über einen LoveLetter freuen zu diesem Thema, da
    es mich ja auch selbst betrifft… unerfüllter weiterer Kinderwunsch etc…

    Vielleicht hast du noch ein Exemplar für mich übrig?

    Liebe Grüße
    Judith

    • rebekkasloveletter

      Liebe Judith, ich freue mich so sehr, dass du hier bist! Und ich hoffe, dass der LoveLetter dich anspricht und ermutigt. Alles Liebe!

  • Lydia Bucci

    Liebe Rebekka,
    Seit einigen Monaten habe ich deinen Blog abonniert und freue mich immer sehr über deine Artikel. Vielen herzlichen Dank. Ich schätze deine ehrliche Art zu erzählen und da ich auch mehrfache Mutter bin, sprichst du mir oft aus dem Herzen. Gerade deinen letzten Beitrag von Wunden und Wundern hat mich berührt und angesprochen. Auch ich weiß, wie es ist, wenn das gewünschte Kind auf sich warten lässt. Bei uns war es unser Erstes, doch in der Zwischenzeit sind wir komplett glücklich mit 4 gesunden Kids.
    Auch das Thema Abschied nehmen von den verschiedenen Säuglings- und Kleinkinderphasen hattest du letzthin so gut beschrieben… bin ich voll und ganz darin. Danke einfach für die Ermutigungen und mach weiter so:)
    Alles Liebe
    Lydia Bucci

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