Glaube,  Mut am Montag

Mut am Montag #6

Meistens finde ich mein Leben toll: Ich habe einen wunderbaren Mann, zwei großartige Kinder, Freunde, Geschwister, eine Gemeinde, eine Arbeit, die mich erfüllt. Ich habe studieren und zweimal im Ausland leben dürfen. Vieles, von dem, was ich mir vorgenommen und erträumt habe, ist genauso eingetroffen. Ich bin überreich beschenkt und gesegnet.

Und dann gibt es aber auch die Momente, in denen mir mein Lebensweg undurchsichtig und chaotisch erscheint; in denen ich keine Ahnung habe, wohin die Reise gehen soll. Immer wieder fühle ich mich orientierungslos und verwirrt. Frage mich, ob ich an der einen oder anderen Kreuzung falsch abgebogen bin, und warum es an meinen Baustellen nicht weitergeht. Ich erlebe, dass Wünsche nicht in Erfüllung gehen, dass Beziehungen zerbrechen. Es gibt Schmerz und Leid – im Leben mir nahe stehender Personen noch viel mehr als in meinem eigenen. Ich möchte verstehen, warum, aber bekomme keine Antwort.

Wenn ich auf mein Leben blicke, kommt es mir manchmal vor wie die Rückseite einer Stickerei oder eines Webrahmens: So viele lose Enden, verwirrte Fäden, Chaos. In einigen Ecken erkenne ich kein Motiv, kein Bild. Einzelne Stellen sehen einfach nur unordentlich und ziemlich misslungen aus. Nichts, was man sich in der Form an die Wand hängen würde.

In diesen Momenten muss ich mich selbst daran erinnern, dass diese Erfahrung eine ganz normal menschliche ist. Wir alle haben nur einen beschränkten Überblick über unseren Lebensweg. Wir können zurückschauen und erleben dabei oft, dass Verwirrungen sich lösen und wir plötzlich verstehen. Aber Gegenwart und Zukunft liegen im Dunkeln und wir können uns nur vertrauensvoll vorwärtstasten. Einen Schritt nach dem anderen. Beten, uns mit anderen beraten, unseren Gottgegebenen Verstand gebrauchen. Das große Ganze – davon habe ich eine gewisse Wunschvorstellung, aber noch sehe ich es nicht.
 
Mich erinnert das an einen Bibelvers, den ich sehr mag:

“Wir sehen jetzt durch einen Spiegel in einem dunklen Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.”

1. Korinther 13,12

Unsere Erkenntnis ist Stückwerk. Nur ein winziger Ausschnitt des großen Ganzen. Das gilt für meinen eigenen Lebensweg genauso wie für Gottes Größe und seinen Plan mit dieser Welt. Ich wachse im Glauben und gehe mit Jesus vorwärts, darf immer wieder etwas Neues erkennen – aber um von Angesicht zu Angesicht sehen zu können, muss ich noch warten.

Dann wird Gott den Stickrahmen meines Lebens umdrehen und ich werde das Bild bewundern können, das er entworfen und gestaltet hat. Dann sehe ich statt loser Enden und Fadensalat Farbflächen und Muster von ungeahnter Kunstfertigkeit und Kreativität. Das, was ich für Sackgassen und verlorene Zeit hielt, kann genauso einen Platz in seinem Bild finden wie Versagen, Schmerz, Verlust und Dunkelheit, Gnade, Freude und Glück.

Und dann wird Gott auch den riesengroßen Webteppich der Weltgeschichte vor unseren Augen wenden und alle werden sehen, wie er gewebt und gewirkt hat, wie jeder Mensch, jeder kleine Faden seinen Platz im großen Ganzen von ihm zugeteilt bekommen hat. Ich lebe im Vertrauen darauf, dass unser Gott der Herr des Universums ist und alles in seinen Händen hält, das Große wie das Kleine. Dass alles uns zum Guten dient, die wir ihn lieben und nach seinem Ratschluss berufen sind (Römer 8,28). Ich glaube daran in den hellen Zeiten und auch wenn es schwer ist. Dazu darf und muss ich mich immer wieder entscheiden.

Vielleicht sticke und punche und webe ich auch deshalb so gern – um mich daran zu erinnern, dass auch mein Leben ein solches Stück Stoff ist, an dem Gott selbst mit seinen guten Vater- und Künstlerhänden arbeitet. Er macht es gut.

Ich wünsche dir eine gesegnete neue Woche im Vertrauen darauf, dass Gott in deinem Leben Gutes wirkt und webt – auch wenn du es jetzt noch nicht sehen kannst!

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