Glaube,  Mut am Montag

Mut am Montag #2

Mindfulness, oder zu Deutsch: Achtsamkeit ist ja gerade in aller Munde. Ganz im Moment sein, das Hier und Jetzt bewusst wahrnehmen und akzeptieren, sich auf die fünf Sinne fokussieren – ich gebe zu: Das entspricht so gar nicht mir und meinem permanent rotierenden und ratternden Gehirn.

Erst neulich stand ich mit schäumendem Mund am Waschbecken und wusste nicht mehr, ob ich die Zahninnenflächen schon geputzt hatte oder nicht. Ich war in Gedanken bei irgendetwas ganz anderem gewesen und hatte das Zähneputzen gar nicht mitbekommen…

In solchen Momenten nehme ich mir immer wieder neu vor, achtsamer zu sein und mich mehr auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Es fühlt sich ganz und gar nicht gut an, wenn die letzten drei Minuten meiner Erinnerung wie ausradiert sind… Wenn einem das “nur” beim Zähneputzen passiert, ist das ja noch harmlos – beim Autofahren kann das schlimm enden.

Ich habe auch mal gelesen, dass es für Hochsensible hilfreich ist, Achtsamkeit zu üben, weil sie dabei hilft, aus dem wilden Gedankenkarussell auszusteigen und der Reizüberflutung vorzubeugen.
So sinnvoll und hilfreich Mindfulness auch sein mag (es gibt ja auch gefühlt tausend Studien, die den positiven Effekt von Achtsamkeitstraining und Meditation belegen) – irgendwie stehe ich diesem Konzept auch ein bisschen kritisch gegenüber. Ist das nicht wieder nur eine Form permanenter Nabelschau, ein ständiges um sich selber Kreisen? Egozentrik pur. Das ist doch gerade das, was ich nicht tun will, wovon ich frei werden möchte. Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen (Johannes 3,30)…

Beim Lesen der Losungen vor ein paar Tagen stieß ich auf ein interessantes Zitat:

“Schenke mir heute Achtsamkeit,

damit ich auf deinen Anruf achte,

auf deine leise Stimme in meinem Herzen.

Lass mich tun, wozu du mich heute berufst.”

Anselm Grün

Diese Sätze warfen für mich ein völlig neues Licht auf das Modewort Mindfulness.

Die Achtsamkeit, von der Anselm Grün spricht, ist eine Achtsamkeit zu Gott hin. Nicht selbstzentriert, sondern Jesus-zentriert.

Und es ist wahr: Wenn ich mit meinen Gedanken ganz woanders bin – wie kann Jesus mich in meinem Hier und Jetzt erreichen? Wie kann ich für ihn ansprechbar sein, wenn mein Kopf mit tausend Dingen beschäftigt ist und ich nicht mal mitkriege, wie ich meine Zähne putze… ? Wenn ich nicht wirklich präsent bin – wie kann ich dann sein leises Klopfen an meiner Herzenstür hören?

Mir wurde bewusst, dass mein Gedankenkreisen um To-Dos, Pläne und Aufgaben ebenso wie mein gedankliches Verweilen in der Vergangenheit auch ziemlich egozentrisch ist… Achtsamkeit zu Jesus hin, in diesem Augenblick, kann mich davon frei machen.

Das ist die Achtsamkeit, die ich lernen möchte: Eine ungeteilte Aufmerksamkeit Gott gegenüber. Ich glaube daran, dass er bei mir ist und zu mir spricht – und ich will sein Reden hören, will seine Gegenwart spüren und bewusst mit ihm zusammen sein.

Für diesen Montag, und für jeden anderen Tag der Woche, ist dies mein Gebet:

Jesus, ich bin ganz im Moment,

damit du mich im Hier und Jetzt

erreichen kannst.

Rede, Herr, ich bin bereit,

zu hören.

Habt eine gesegnete Woche, ihr Lieben!


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