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Mut am Montag

Die Woche, aus der ich komme, war anstrengend. Eigentlich war gar nicht so viel Besonderes los; ich hatte einfach nur richtig schlechte Laune. Total unterirdisch. Einen Geduldsfaden so dünn, dass man ihn mit der Lupe suchen musste. Nach dem Wochenende freute ich mich auf den Montag: Die Kinder gehen in die Schule und in den Kindergarten, und ich kann in Ruhe arbeiten.

Wie so oft, kam es anders.

Heute früh wachte ich mit einer schmerzhaft geschwollenen Unterlippe auf. So richtig fies. Ich überlegte kurz, ob die Kinder vielleicht doch schon bereit seien, allein zu Kindergarten und Schule zu laufen… Aber es hilft ja nichts. Kurz bevor wir losgehen wollten, rief der Kindergarten an, ich solle unseren Sohn bitte zu Hause lassen – sie seien drastisch unterbesetzt. Ja, natürlich lasse ich ihn heute daheim.

Grrr…

Und dann dachte ich an die gestrige Predigt, in der es – passenderweise – um Geduld ging. Um die Perlmuschel, die im Lauf der Zeit einen in sie eingedrungenen, schmerzenden Irritanten (Reizkörper) in eine kostbare Perle verwandelt.

Ohne dieses nervige Sandkorn gäbe es keine Perle. Ohne widrige Umstände, ohne Schwierigkeiten und ja, und auch ohne als anstrengend empfundene Mitmenschen, könnte ich nicht lernen, geduldig zu sein. Liebevoll zu ertragen, auszuhalten.

Die Tatsache, dass der Tag gerade nicht so verläuft, wie ich mir das vorgestellt habe – ich will sie heute als Chance ansehen, zu wachsen und der Perle in meinem Inneren eine hauchdünne Schicht hinzuzufügen.

Und ich habe auch etwas über Jesus gelernt, das mir so noch nie wirklich bewusst war: Jesus war entspannt.

Er hatte Zeit. 30 Jahre lang arbeitete er als einfacher Zimmermann im Familienbetrieb – ohne Bore-Out und ohne blinden Aktionismus. Dabei hatte er doch eine so wichtige Mission!

Anstatt mit Lichtgeschwindigkeit durch Galiläa zu rasen und den Leuten mit einem Fingerschnips die Augen über seine Identität zu öffnen (was er durchaus hätte tun können), ging er zu Fuß von Ort zu Ort und nahm sich die Zeit, mit den Menschen zu essen, sie einzeln zu berühren und zu heilen, ihnen die Dinge wieder und wieder zu erklären.

Er tauschte seine Jünger nicht aus, weil sie sich als zu begriffsstutzig erwiesen. Er machte sie nie runter und traute ihnen stattdessen was zu. Er nahm sich viel Zeit zum Gebet. Er verwandelte Wasser in Wein, damit die Party noch ein paar Tage länger dauerte. Er verordnete seinen Jüngern eine Pause. Er schlief im Sturm.

Kennt ihr diese T-Shirts mit lustigen, christlichen Sprüchen? Eines davon mag ich besonders gern – darauf steht:

Jesus took naps.

Be like Jesus.

Das ist für mich sehr herausfordernd! Denn irgendwie finde ich die Dinge, die ich zu tun habe, schon extrem wichtig – deshalb darf mich niemand davon abhalten! Wie schwer fällt es mir, freundlich zu bleiben, wenn jemand (für meine Begriffe) langsam oder schwer von Begriff ist! Wie ungehalten reagiere ich, wenn meine Pläne durchkreuzt werden! Wie schnell schiebe ich Panik, wenn etwas nicht gelingt…

Und Jesus… Er geht erst einmal 40 Tage in die Wüste.

Dabei war seine Mission (im Gegensatz zu allem, was auf meiner To-Do-Liste so steht…) wirklich wichtig!

Ja, ich bin nicht Jesus.

Und von meiner Persönlichkeit her definitiv nicht die Entspannteste…

Aber Jesus und ich, wir haben doch etwas gemeinsam:

Wir haben einen unendlich liebevollen, geduldigen und weisen Papa im Himmel, der uns mit allem beschenkt, was wir brauchen. Der das richtige Timing kennt. Und uns ein sanftes Joch auflegt. In dessen Hand wir sind und der alles unter Seiner Kontrolle hat.

Jesus lebte in absolutem Vertrauen und bedingungsloser Hingabe zu seinem Vater. Deshalb war er so entspannt. Deshalb konnte er Schläfchen halten, Partys feiern und zu Fuß von Dorf zu Dorf gehen.

Ja, so möchte ich sein.

So möchte ich leben.

In dieser Gewissheit,

in dieser Selbstvergessenheit,

in diesem Vertrauen.

Oder, wie ich mal irgendwo gelesen habe: “Manchmal ist ein Schläfchen zu halten, das Geistlichste, das wir tun können.”

In diesem Sinne: Sei heute wie Jesus. Gönn dir ein Schläfchen – oder was auch immer dir Ruhe schenkt.

Ich mache mit.

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